Archiv | März, 2013

Terner, Andrè (Vater Andrè), geb. 1896 in Wien, verhaftet am 29.3.1938

28 Mrz
Am 29.März 2013 ist Karfreitag. Die Christen gedenken an diesem Tag der unvorstellbar grausamen Tötung des Jesus von Nazareth am Kreuz von Golgatha.
Aber auch danach gab es noch so furchtbar viele Golgathas. Bei den völkermörderischen Kreuzzügen, der Inquisition und den Hexenverbrennungen, in Auschwitz und in MyLai in Vietnam.
Heute erinnern wir an Andre Tener, einen Taxifahrer aus Wien, den die Begeisterung für den ersten Arbeiterstaat – wie Millionen glaubten – nach Moskau zog, wo er seinen Beruf in den Dienst der „neuen Gesellschaft“ stellen wollte. Am Karfreitag vor 75 Jahren wurde er als „Spion“ verhaftet, drei Monate später erschossen.
Wenn dieser eine, wie viele Hunderttausende an politischen Morden an GenossInnen und SympathisantInnen überhaupt einen Sinn haben kann, dann nur, dass sich sowas NIE wiederholen darf. Deshalb brauchen wir die Erinnerung!
An die Kreuzigung Jesu, wie an die Erschiessung des Wiener Taxifahrers Andre Terner:
 
 
Terner, Andrè (Vater Andrè), geb. 1896 in Wien, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Kraftfahrer im 1. Moskauer Taxibetrieb, wohnhaft in Moskau, ul. Malaja Dmitrovka 5. Verhaftet am 29. März 1938; beschuldigt der Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Mai 1938 zum Tode verurteilt, am 7. Juni 1938 erschossen. Rehabilitiert am 21. November 1957. Bestattungsort Butovo.
 
 
 
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Die 26 deutschen Erschossenen von Butovo/Moskau, verurteilt am 23. März 1938

24 Mrz
Der 23. März 1938 bedeutete vor 79 Jahren allein in Moskau – allein auf dem Bestattungsort Butovo für 26 deutsche Freunde und Freundinnen der Sowjetunion den Tod. Sie wurden an diesem Tage zum Tode verurteilt oder verhaftet und wenig später zum Tode verurteilt. Alle wurden erschossen.
Nur ein Tag, nur ein Bestattungsort (Butovo). Es gab Hunderte und tausende davon in der riesigen Sowjetunion.
Und die Massenerschießungen hielten an bis Ende der vierziger Jahre.
Und: Dies ist nur ein Auszug aus dem Buch:
„Verurteilt zur Höchststrafe: Tod durch Erschießen.“
Das auf den Archivunterlagen nur weniger Todeslisten beruht, Stand 2006. Inzwischen wurden die Archive wieder weitestgehend geschlossen. Jene in den entfernteren damaligen Sowjetrepubliken, aus den Gulags in Sibirien sind bis heute nicht ausgewertet. Es steht zu befürchten, dass sie eine Vielzahl an Todesopfern auch deutscher Herkunft offenbaren werden.
Es ist so gesehen, ein klitzekleiner Tropfen auf den “kalten Stein“ des Verschweigens, wenn jetzt 75 Jahre später die LINKSPARTEI sich daran macht eine Gedenktafel am Karl-Liebknecht-Haus anzubringen, mit dem von den Hinterbliebenen von Opfern geforderten Text:
„Ehrendes Gedenken an Tausende deutsche Kommunistinnen und Kommunisten, Antifaschistinnen und Antifaschisten, die in der Sowjetunion zwischen den 1930er und 1950er Jahren willkürlich verfolgt, entrechtet, in Straflager deportiert, auf Jahrzehnte verbannt und ermordet wurden.“
1.
Friedrich, Wilhelm (Vater Wilhelm), geb. 1897 in Halle/Saale, Deutscher, aus
einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, 1920-1930 KPD, seit 1930 KPdSU;
Maurer beim Bau des Hauses Nr. 87 (Haus des NKVD), wohnhaft in Moskau,
ul. Bol’sˇaja pocˇtovaja 18/20. Verhaftet am 8. Februar 1938; beschuldigt der
Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft
der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am 17. Mai 1938
erschossen. Rehabilitiert am 18. Juli 1959. Bestattungsort Butovo.
2.
Fritsche, Elisabet (Vater Paul), geb. 1909 in Frankfurt/Main, Deutsche, aus
einer Angestelltenfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Kunstmalerin beim Gewerkschaftsverlag,
wohnhaft in Kuncevo, Moskauer Gebiet. Verhaftet am
18. Januar 1938; beschuldigt der Spionage für Deutschland, von der Kommission
des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938 zum
Tode verurteilt, am 27. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 17. April 1958.
Bestattungsort Butovo.
3.
Grünwald, Heinrich (Gawrilowitsch, Chaim; Vater Heinrich), geb. 1905 in
Frankfurt/Main, Jude, aus einer Arbeiterfamilie, von Beruf Buchhalter, KPD,
in Deutschland wegen Vorbereitung zum Hochverrat am 12. Februar 1932 zu
1 1/2 Jahren Festungshaft verurteilt, emigrierte in die UdSSR; war hier Assistent
des Abteilungsleiters für politische Emigration beim ZK der MOPR,
wohnhaft in Moskau, ul. Obucha 3. Verhaftet am 23. März 1938; beschuldigt
der Spionage für Rumänien, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft
der UdSSR am 29. Juli 1938 zum Tode verurteilt, am 13. August
1838 erschossen. Rehabilitiert am 28. November 1989. Bestattungsort Butov
4.
Hellwig-Singvogel, Kurt (Paats, Erich; Vater Karl), geb. 1912 in Berlin, Deutscher,
aus einer Arbeiterfamilie, Staatsbürger Deutschlands, mittlere Bildung,
bis 1933 KPD; zuletzt arbeitslos, ehem. Kraftfahrer der Firma »Deruluft«,
wohnhaft in Moskau, Stolesˇnikov pereulok 18. Verhaftet am 23. März 1937; beschuldigt
der Zugehörigkeit zur faschistischen Gruppe seines Vaters, von der
Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR zum Tode verurteilt,
am 10. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 14. September 1989.
Bestattungsort Butovo.
5.
Ket(t)ner, Otto (Vater Wilhelm), geb. 1892 in Brandenburg/Havel, Deutscher,
Grundschulbildung, parteilos, kam 1930 in die UdSSR, seit 1934 Bürger der
UdSSR; Maurer am Moskauer Baukontor, wohnhaft ul. Bol’sˇaja pocˇtovaja 18/
20. Verhaftet am 8. Februar 1938; beschuldigt der Teilnahme an der faschistischen
Organisation »Hitlerjugend«, am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am
7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 2. Oktober 1989. Bestattungsort Butovo.
6.
Linke, Emil, geb. 1901 in Apolda, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere
Bildung, seit 1926 KPD, 1933 im KZ Sonnenburg, emigrierte 1935 in die Cˇ SR, seit
März 1936 als politischer Emigrant in der UdSSR, staatenlos; zuletzt ohne bestimmte
Tätigkeit, wohnhaft in Moskau, ul. Obucha 3. Verhaftet am 23. März
1938; beschuldigt der Spionage für Deutschland und des Schriftverkehrs mit
Verwandten in Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft
der UdSSR am 29. Juli 1938 zum Tode verurteilt, am 16. August
1938 erschossen. Rehabilitiert am 14. September 1989. Bestattungsort Butovo.
7.
Meißner, Paul (Vater Hermann), geb. 1903 in Freital/Sachsen, Deutscher, aus
einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, kam im Oktober 1931 über die IAH in
die UdSSR, seit Januar 1936 Bürger der UdSSR, Kandidat der KPdSU;
Elektroschlossermeister im Autowerk »Stalin«, wohnhaft in Moskau, Matrosskaja
tisˇina 16a. Verhaftet am 5. Februar 1938; beschuldigt der Zugehörigkeit
zur faschistischen Organisation »Hitlerjugend«, von der Kommission des
NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode
verurteilt, am 7. April erschossen. Rehabilitiert am 15. Mai 1958. Bestattungsort
Butovo.
8.
Nauschütz, Walter (Vater Karl), geb. 1904 in Dresden, aus einer Angestelltenfamilie,
mittlere Bildung, parteilos, seit 1938 Bürger der UdSSR; Laborant in der
Fabrik »Zarja svobody«, wohnhaft in Moskau, ul. Ol’chovskaja 16. Verhaftet am
23. März 1938; beschuldigt der Spionage, vom Militärkollegium des Obersten
Gerichts der UdSSR am 2. Februar 1940 zum Tode verurteilt, am 3. Februar 1940
erschossen. Rehabilitiert am 1. Juni 1957. Bestattungsort Friedhof Donskoe, Grab 1.
9.
Oefelein, Karl (Vater Peter), geb. 1909 in Berlin, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie,
mittlere Bildung, Maschinenschlosser, kam 1931 mit der Theatergruppe
»Kolonne Links« in die UdSSR; Schauspieler, Leiter des Schauspielzirkels
an der Technischen Hochschule »Bauman«, wohnhaft in Moskau,
Kuzneckij most 22. Verhaftet am 8. März 1938; beschuldigt der Mitgliedschaft
in der faschistischen Organisation »Hitlerjugend«, von der Kommission des
NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode
verurteilt, am 11. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 26. September 1957
Bestattungsort Butovo.
10.
Paul, Hermann (Vater Karl), geb. 1889 in Österreich-Ungarn, Deutscher, aus
einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, Schriftsteller, KPD, seit 1931 in der
UdSSR; Instrukteur der Abteilung Parteiangelegenheiten bei der »DZZ«, wohnhaft
in Moskau, ul. Gor’kogo 34. Verhaftet am 9. Februar 1938; beschuldigt der
Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft
der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am 7. April 1938
erschossen. Rehabilitiert am 16. April 1957. Bestattungsort Butovo.
11.
Reichelt, Alfred (Vater Paul), geb. 1908 in Schmiedeberg; Deutscher, aus einer
Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Mechaniker im 2. Uhrenwerk,
wohnhaft in Moskau, Tovarisˇcˇeskij pereulok 24. Verhaftet am 4. Februar 1938;
beschuldigt der Spionage, darunter Sammlung von Auskünften über Anzahl
und Stimmungen ausländischer Arbeiter und über die Produktion des Werkes,
sowie nachrichtendienstlicher Tätigkeit für Deutschland, von der Kommission
des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938
zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 28. November
1957. Bestattungsort Butovo.
12.
Rigutini, Ernesto (Vater Silvio), geb. 1898 in Frankfurt/Main, Deutscher, Sohn
eines Lehrers, mittlere Bildung, parteilos; Kunstmaler im biologischen Museum
»Timirjazev«, wohnhaft in Siedlung Krylatskoe 165, Kuncevo, Moskauer
Gebiet. Verhaftet am 17. Januar 1938; beschuldigt der Zugehörigkeit zu einer
faschistischen Organisation, konterrevolutionärer Tätigkeit gegen die Sowjetmacht
und der Verbindungen zu Deutschen, Italienern und Letten, von der
Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März
1938 zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am
14. September 1989. Bestattungsort Butovo.
Ri(y)
13.
Rosenthal, Leo (Vater Josef), geb. 1908 in Hamm/Westfalen, Jude, mittlere Bildung,
Buchhändler, seit 1927 KJVD, seit 1928 KPD, seit Oktober 1935 in der
UdSSR, staatenlos; Korrektor in der 7. Druckerei des Mosoblpoligraf, wohnhaft
in Moskau, ul. Arbat 14. Verhaftet am 23. März 1938; beschuldigt der Spionage,
von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR
am 2. August 1938 zum Tode verurteilt, am 16. August 1938 erschossen. Rehabilitiert
am 15. August 1960. Bestattungsort Butovo.
14.
Samajt? (russ. Samajt), Walter (Vater Gustav), geb. 1910 in Hamburg, Deutscher,
aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Schlosser in der
Garage des Allunionskontors für geophysikalische Arbeiten, wohnhaft in
Moskau, Butikovskij pereulok 17. Verhaftet am 20. Februar 1938; beschuldigt
der faschistischen Agitation und praktischer Vorbereitung eines terroristischen
Aktes gegen Führer der Partei und der Sowjetregierung, von der Kommission
des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938
zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 2. Oktober
1989. Bestattungsort Butovo.
15.
Schimkewitsch, Oskar (Vater Salomon), geb. 1893 in Essen/Ruhr, Deutscher,
aus einer Arbeiterfamilie, Grundschulbildung, zuletzt KPdSU; Tischler in der
(Militär-)Abteilung Nr. 4 des Segelflugzeugwerkes, wohnhaft in Aviogorodok/
Tusˇino, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 19. Januar 1938; beschuldigt der
antisowjetischen Agitation und der Spionage für Deutschland, von der Kommission
des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938
zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 27. Januar
1958. Bestattungsort Butovo.
16.
Schlenker, Jakob (Vater Jakob), geb. 1886 in Schwenningen/Württemberg,
Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Einrichter im
Uhrenwerk »Kirov«, wohnhaft in Moskau, Sibirskij proezd 11. Verhaftet am
23. März 1938; beschuldigt der Spionage und antisowjetischer Agitation, von
der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 29. Juli
1938 zum Tode verurteilt, am 9. August 1938 erschossen. Rehabilitiert am
7. September 1989. Bestattungsort Butovo.
17.
Schlösser? (russ. Sˇ lesser) Bruno (Vater Karl), geb. 1911 in Berlin, aus einer Angestelltenfamilie,
mittlere Bildung, seit 1931 KPdSU; Assistent des Leiters der
Instrumentalabteilung im Werk »Dynamo«, wohnhaft in Moskau, ul. Bibliotec
ˇnaja 15/8. Verhaftet am 5. Februar 1938; beschuldigt der Zugehörigkeit zur
konterrevolutionären terroristischen Diversions- und Schädlingsorganisation
lettischer Nationalisten, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft
der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am 7. April 1938
erschossen. Rehabilitiert am 19. August 1957. Bestattungsort Butovo.
18.
Schulze, Erich (Vater Wilhelm), geb. 1905 in Mückenberg, Deutscher, aus einer
Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Techniker/Konstrukteur am
»Gormasˇprojekt« des Volkskommissariats für Schwerindustrie, wohnhaft in
Moskau, Voroncovo pole 3. Verhaftet am 7. Februar 1938; beschuldigt der Spionage,
von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR
am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert
am 4. Oktober 1989. Bestattungsort Butovo.
19.
Silbermann, Kurt (Vater Ludwig), geb. 1911 in Berlin, Deutscher, nicht abgeschlossene
Hochschulbildung, KPD; Student am Medizinischen Institut, wohnhaft
in Moskau, ul. 6. Zvenigorodskaja 6. Verhaftet am 10. Februar 1938;
beschuldigt der Spionage und der konterrevolutionären Tätigkeit, von der
Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März
1938 zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 4. Oktober
1989. Bestattungsort Butovo.
20.
Voß, Friedrich (Vater Theodor), geb. 1903 in Braunschweig, mittlere Bildung,
Schauspieler, seit 1930 KPD, kam im April 1932 auf Einladung des Moskauer
Internationalen Theaters in die UdSSR, seit 1933 Mitglied der Theatergruppe
»Kolonne Links«, wirkte im Film »Kämpfer« mit, wurde Bürger der UdSSR,
1933-1937 Ansager beim deutschsprachigen Radio Moskau; zuletzt ohne Beschäftigung,
wohnhaft in Moskau, Vystavocˇnyj pereulok 16a. Verhaftet am
11. Februar 1938; beschuldigt der Zugehörigkeit zur faschistischen Organisation
»Hitlerjugend«, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft
der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am 11. April 1938 erschossen.
Rehabilitiert am 28. Juli 1958. Bestattungsort Butovo.
21.
Di(e)man(n)stein (russ. Diamanstejn), Hermann (Vater Franz), geb. 1896 in
Österreich-Ungarn, Deutscher, aus einer Bauernfamilie, Grundschulbildung,
parteilos; Hausmeister des Werkes »Reduktor«, wohnhaft in Moskau, ul. Petrovka
8/11. Verhaftet am 17. Februar 1938; beschuldigt der Teilnahme an einer
konterrevolutionären terroristischen Spionageorganisation, von der Kommission
des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938
zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 8. Juli 1957.
Bestattungsort Butovo.
22.
Eichenwald, Leopold (Vater Boris/Benjamin), geb. 1877 in Lettland, Deutscher,
aus einer Kleinbürgerfamilie, Hochschulbildung, parteilos; Leiter der
Dokumentation beim Bau des Volga-Moskva-Kanals, wohnhaft im Städtchen
der Mitarbeiter dieses Baus im Moskauer Gebiet. Verhaftet am 16. Januar 1938;
beschuldigt der Spionage für die USA, Großbritannien und Deutschland sowie
konterrevolutionärer Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der
Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am
7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 2. Oktober 1989. Bestattungsort Butovo.
23.
Mitzner, Willi, geb. 1902 in Polen, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere
Bildung, parteilos; Abteilungsleiter für Großbauten des Werkes Nr. 4 in
Orechovo-Zujevo, wohnhaft in Orechovo-Zujevo, ul. Leninskaja 4, Moskauer
Gebiet. Verhaftet am 6. Februar 1938; beschuldigt der Mitgliedschaft in einer
konterrevolutionären nationalistischen deutschen Spionage- und Diversionsgruppe
sowie der Diversions- und Schädlingsarbeit, von der Kommission des
NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode
verurteilt, am 11. April 1938 erschossen. Rehabilitiert am 10. August 1956. Bestattungsort
Butovo.
24.
Sommerfeld, Adolf (Vater Eduard), geb. 1909 in Lódz, Deutscher, aus einer
Arbeiterfamilie, mittlere technische Bildung, parteilos, Dispatcher in der Textilfabrik
Nr. 14 in Kuncevo, wohnhaft ebenda. Verhaftet am 23. März 1938; beschuldigt
der Spionage für Polen, von der Kommission des NKVD und der
Staatsanwaltschaft der UdSSR am 29. Juli 1938 zum Tode verurteilt, am 16. August
1938 erschossen. Rehabilitiert am 9. Januar 1958. Bestattungsort Butovo.
25.
Tobias, Vladimir (Vater Karl), geb. 1896 in Riga, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie,
Grundschulbildung, parteilos; Meister im Werk Nr. 69 des Volkskommissariats
für Verteidigungsindustrie, wohnhaft in Krasnogorsk, Moskauer Gebiet.
Verhaftet am 10. Dezember 1937; beschuldigt der Zugehörigkeit zu einer
konterrevolutionären nationalistischen Gruppe, der Schädlingsarbeit und der
antisowjetischen Agitation, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft
der UdSSR am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am 11. April 1938
erschossen. Rehabilitiert am 20. September 1957. Bestattungsort Butovo.
26.
Trepke, Alexander (Vater Paul), geb. 1898 in Riga, Deutscher, aus einer Ingenieursfamilie,
mittlere Bildung, parteilos; Architekt und Kunstmaler beim Metroprojekt,
wohnhaft in Moskau, ul. Kolodeznaja 5, Baracke 3 des ingenieurtechnischen
Personals. Verhaftet am 17. Januar 1938; beschuldigt der Spionage
für Österreich und systematischer konterrevolutionärer antisowjetischer Propaganda,
von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der
UdSSR am 23. März 1938 zum Tode verurteilt, am 7. April 1938 erschossen. Rehabilitiert
am 4. Oktober 1989. Bestattungsort Butovo.

Remmele, Hermann, geb. 15.11.1880, erschossen 7.3.1939

7 Mrz
 
Hermann Remmele war Sohn eines Müllers und Bruder des späteren Staatspräsidenten von Baden, Adam Remmele. Remmele besuchte in Ludwigshafen die Volksschule und absolvierte dort anschließend eine Lehre als Eisendreher. Nach den Wanderjahren arbeitete er bis zum Kriegsausbruch 1914 im erlernten Beruf. Remmele war ab 1897 Mitglied der SPD und des Deutschen Metallarbeiterverbandes. In den Jahren 1901 bis 1914 war er ehrenamtlicher Bevollmächtigter bzw. Vorstandsmitglied der Gewerkschaft im Bereich Mannheim, Darmstadt und Offenbach am Main. Außerdem engagierte er sich führend im Verband junger Arbeiter in Mannheim und absolvierte 1907/08 einen Kurs der zentralen Parteischule der SPD in Berlin. Daneben war Remmele ehrenamtlich für einige sozialdemokratische Blätter als Autor tätig.
 
Seit 1914 war Remmele Soldat im Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1917 war er Mitbegründer der USPD. Während der Novemberrevolution war er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Mannheim. Er gehörte im Februar 1919 zu den Mitinitiatoren der Räterepublik in Mannheim. Im selben Jahr wurde er USPD-Bezirkssekretär für Baden und die Pfalz. Danach bis 1920 war er in derselben Position in Württemberg tätig. Daneben spielte er eine führende Rolle im linken Flügel der Partei auch auf Reichsebene.
Zusammen mit einem Teil der Partei trat Remmele 1920 zur KPD (damals noch VKPD) über. Er war dann von 1920 bis 1933 Mitglied des Zentralkomitees der KPD und 1924 kurzzeitig ihr Vorsitzender. Von 1923 bis 1926 war er außerdem Redakteur des Parteiorgans Die Rote Fahne. Reichstagsabgeordneter war er von 1920 bis 1933. Seit 1930 war er Vorsitzender des Kampfbundes gegen den Faschismus. Remmele war ab 1926 Mitglied des Exekutivkomitees der Komintern (EKKI). Von 16 Mitgliedern des Polbüros, des obersten KPD-Organs, des Jahres 1924 waren 1929 nur noch Remmele und Ernst Thälmann im Amt.
Remmele lebte seit August 1932 in Moskau. Nachdem er gemeinsam mit Heinz Neumann bei fraktionellen Auseinandersetzungen innerhalb der KPD unterlegen war, schied er im Oktober 1932 aus dem Sekretariat des ZK der KPD aus. Im November 1933 wurde er zudem aus dem ZK der KPD und dem Politbüro ausgeschlossen und gezwungen, seine Funktionen im EKKI niederzulegen.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde ihm im März 1934 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
Remmele war verheiratet, aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Im Jahr 1937 wurden er, seine Frau Anna und sein Sohn Helmut Remmele (1910-1938), ehemals Mitglied des ZK des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands, im Rahmen stalinistischer Säuberungen verhaftet. Am 7. März 1939 wurde Remmele zum Tode verurteilt und erschossen. Ein sowjetisches Gericht rehabilitierte ihn 1988.
 
↑ Hermann Weber: Kommunistische Bewegung und realsozalistischer Staat. Beiträge zum deutschen und internationalen Kommunismus, herausgegeben von Werner Müller. Bund-Verlag, Köln 1988, S. 166/168.
 
Bild

Dieser Text soll auf einer Gedenktafel am Karl-Liebknecht-Haus angebracht werden.

3 Mrz

20130303-003631.jpg

Stange, Franz, Berlin, geb 1903, erschossen am 3. März 1939

3 Mrz
(Stamm, Franz; Vater Franz)

geb. 1903 in Berlin, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, Techniker, seit 1921 KPD, Mitarbeiter ihres Mi-litärapparats; Redakteur beim Verlag für Ausländische Arbeiter, wohnhaft in Moskau, Perovskij pereulok 6/8. Verhaftet am 24. Juni 1938; beschuldigt der Spionage und der Teilnahme an einer konterrevolutionären terroristischen Organisation, vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 2. März 1939 zum Tode verurteilt, am 3. März 1939 erschossen. Rehabilitiert am 30. November 1989. Bestattungsort Butovo-Kommunarka.

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