Archiv | September, 2013

Süsskind, Heinrich, geb. am 30.10.1895 , erschossen am 3.Oktober 1937

26 Sep
Erinnern? Erinnern! Auch das gehört zum 3.Oktober. Vor 78 Jahren wurde der langjährige Chefredakteur des KPD-Zentralorgans ROTE FAHNE, der im Verlauf der zwanziger Jahre den verschiedensten Strömungen angehörte, als „trotzkistischer Verräter“ zum Tode verurteilt UND AM GLEICHEN TAG ERSCHOSSEN.

Geboren am 30. Oktober 1895 in Kolmyja/ Polen, Sohn eines Rabbiners und Gutpächters. Süßkind, der deutsch erzogen wurde, besuchte das Gymnasium und übersiedelte 1914 nach Wien, wo er das Abitur ablegte und anschließend Rechtswissenschaften, Ökonomie und Philosophie studierte. Er kam im Dezember 1918 nach Deutschland, wohnte hier zunächst bei seiner Schwester in Leipzig, dann belegte er in Tübingen evangelische Theologie und Geschichte. Hier Mitbegründer einer kommunistischen Studentengruppe, übernahm die Chefredaktion der »Politischen Rundbriefe«, die von der FSJ herausgegeben wurden, und nahm als Vertreter dieser Studentengruppe an der Bezirkskonferenz in Stuttgart teil.

Im Herbst 1919 schloß sich Süßkind der KPD an, wurde wegen seiner politischen und vor allem propagandistischen Arbeit im November 1919 aus Württemberg ausgewiesen. In Frankfurt/M. übernahm er auf Veranlassung von Clara Zetkin und Wilhelm Pieck das Sekretariat der Zeitschrift »Internationale«. Der hochgebildete junge Mann kam nach Berlin, lebte illegal und wurde unter dem Namen Heinrich politischer Redakteur der »Roten Fahne«. Nach der März-Aktion mußte er Berlin verlassen und erhielt den Auftrag, die starke KAG-Gruppe in Köln zu zerschlagen. Er wurde Chefredakteur der »Sozialistischen Republik« in Köln, kam aber wieder nach Berlin, zunächst stellvertretender Chefredakteur der »Roten Fahne«. Am 1.Dezember 1921 Nachfolger Ernst Meyers als Chefredakteur des kommunistischen Zentralorgans. In dieser Funktion nahm er auch an Zentrale-Sitzungen teil. Nach politischen Zusammenstößen vor dem Zirkus Busch im November 1922 in Berlin festgenommen, zu drei Wochen Gefängnis verurteilt und als russischer Staatsangehöriger dann aus Deutschland ausgewiesen. Süßkind reiste nach Riga, war dort einige Zeit für die Komintern tätig; anschließend Redakteur in Moskau. Schon im Frühjahr 1923 kehrte er nach Deutschland zurück, übernahm wieder die Chefredaktion der »Roten Fahne«. Bereits im Juni 1923 abgelöst und durch August Thalheimer ersetzt, schickte ihn die Zentrale als Redakteur nach Leipzig. 1924 schwenkte er zu den Linken über, wurde Chefredakteur in Chemnitz und kämpfte gegen die Brandler-Anhänger.

Nach dem »Offenen Brief« 1925 wurde Süßkind nach Berlin berufen, Mitarbeiter in der Redaktion der »Roten Fahne«. Er gehörte 1926 zu den Wortführern der Chemnitzer Linken, ging aber 1927 zur Thälmann-Gruppe. Auf dem XI. Essener Parteitag 1927 als Kandidat ins ZK gewählt, erneut zum Chefredakteur der »Roten Fahne« berufen, wurde Süßkind auch Kandidat des Polbüros. Er trennte sich im Herbst 1927 von der Thälmann-Gruppe, schloß sich den Versöhnlern an und war während der Auseinandersetzungen von 1928 als Kurt einer ihrer Führer. Als er auf Betreiben Ernst Thälmanns schon im Februar 1928 abgelöst werden sollte, gelang es den Versöhnlern, ihn zu halten. Aber nach der Wittorf-Affäre wurde er doch aus der »Roten Fahne« entfernt. Süßkind, an einer Rippenfellentzündung für längere Zeit schwer erkrankt, kapitulierte vor dem ZK, erhielt keine hauptamtliche Funktion mehr und mußte vom Verdienst seiner Frau – die bei der »Inprekorr« tätig war – leben. Er war in seiner Straßenzelle insgeheim für die neue Gruppe der Versöhnler aktiv und stand in enger Verbindung zu Karl Volk. Nach 1933 ging er mit seiner tschechischen Frau zunächst nach Prag, dann in die Sowjetunion und war in der Komintern beschäftigt. Bereits Anfang 1935 wurde er durch das ZK der KPD und die IKK der Komintern wegen Kontakten zu dem Ende Dezember 1934 verhafteten Komintern-Mitarbeiter Lajos Mildorf (Magyar) auf ein Jahr aus der KPD ausgeschlossen, im Juni 1936 zwar Wiederaufnahme, doch wenige Wochen später, am 3. September 1936, folgte der erneute Ausschluß.

Süßkind war bereits am 9. August 1936 vom NKWD verhaftet worden. Nach über einem Jahr grausamer Verhöre wurde er am 3. Oktober 1937 vom Obersten Militärkollegium als Versöhnler, »Trotzkist« und wegen Verbindung zur »Terrororganisation« der Rechten zum Tode verurteilt, obwohl er im Prozeß die Hauptvorwürfe bestritt und sich für »nicht schuldig« erklärte. Heinrich Süßkind wurde noch am gleichen Tag, am 3. Oktober 1937, erschossen. Süßkinds Frau sagte sich öffentlich von ihm los, wurde zur Arbeit in die Tschechoslowakei geschickt, wo sie während der deutschen Besetzung ums Leben kam.

Höltz, Max, geb. 14.10. 1889, vermutl. ermordet am 15.9.1933

14 Sep
Am 15.9.1933 wurde Max Hoelz ermordet. Wahrscheinlich von Agenten des NKWD ertränkt(!!). War er der Fritz Teufel, der Rainer Kunzelmann oder der Adreas Baader der kommunistischen Bewegung vor 33? Jedenfalls hat er nicht diese grausame Ermordung durch die eigenen Genossen verdient! Never forget!

Aus wikipedia:

Max Hoelz (* 14. Oktober 1889 in Moritz bei Riesa; † 15. September 1933 bei Gorki, UdSSR) war ein deutscher Kommunist.

In Deutschland

Max Hoelz wurde als Sohn eines Landarbeiters geboren und musste schon als Kind zum Lebensunterhalt der Arbeiterfamilie beitragen. Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete er als Tagelöhner bei verschiedenen Gutsbesitzern, ging dann als Hoteldiener nach Baden-Baden, arbeitete in London und bildete sich nach seiner Rückkehr nach Deutschland in Berlin und Dresden zum Vermessungstechniker weiter.

1915 heiratete er Klara Buchheim, die Tochter eines Falkensteiner Fuhrunternehmers. Durch den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg politisiert, war Hoelz ab 1918 Mitglied der USPD und ab 1919 der KPD. Als Arbeiterführer in Sachsen stellte Hoelz – entgegen dem Willen der KPD-Führung – bewaffnete Kampfgruppen auf, die 1920/21 im Vogtland den nach ihm benannten, stark von anarchistischen Vorstellungen geprägten Aufstand initiierten (siehe dazu Märzkämpfe in Mitteldeutschland). Wegen dieser Aktivitäten schloss ihn die KPD mit der Begründung der Disziplinlosigkeit aus. Hoelz schloss sich nun der linkskommunistischen KAPD an, der er bis Mitte der 1920er Jahre angehörte.
Er wurde dafür 1921 zu lebenslangem Zuchthaus verurteilt. Als Aufhänger diente der Mord am Gutsbesitzer Heß. Es wurde behauptet, Hoelz habe Heß von der Straße aus erschossen. Der eigentliche Täter stellte sich erst später. Anlässlich der 1927 erschienenen Zuchthausbriefe von Hoelz, die von dem bekannten Journalisten Egon Erwin Kisch herausgegeben worden waren, wurde ein Aufruf zahlreicher Intellektueller der Republik (Bert Brecht, Martin Buber, Otto Dix, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann, Thomas Mann, Arnold Zweig, Ernst Rowohlt etc.) zur „Nachprüfung“ des Urteils veröffentlicht. Am 18. Juli 1928 wurde Hoelz, der zwischenzeitlich wieder der KPD beigetreten war, amnestiert und freigelassen. 1929 emigrierte er auf Einladung Josef Stalins in die UdSSR.
In der Sowjetunion
Hoelz‘ Autobiographie erschien 1929 unter dem Titel Vom weißen Kreuz zur roten Fahne. Neben Ernst Thälmann und Heinz Neumann war er als Redner auf vielen Versammlungen einer breiteren Öffentlichkeit in der Sowjetunion bekannt. Er wirkte als Mittler zwischen deutschen Arbeitern und deren jeweiliger Werksleitung, war zunehmend von den schweren Arbeitsbedingungen enttäuscht und wurde von der GPU überwacht.
Im August 1933 wurde Hoelz – gelistet in der Ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs von 1933 – aus Deutschland ausgebürgert.
Die GPU nutzte eine tätliche Auseinandersetzung mit einem österreichischen Journalisten im Moskauer Hotel Metropol, um ihm den Aufenthalt auf einem sowjetischen Gut in Nischni Nowgorod nahezulegen – mit der Begründung, er wäre so im Zuge von Ermittlungen unauffindbar. Kurz darauf, am Abend des 15. September 1933, ertrank Max Hoelz angeblich nahe Gorki in der Oka.
Ossip Pjatnizki, Präsidiumsmitglied der Komintern, wies einige Delegierte und deutsche Kommunisten an, an Hoelz‘ Beisetzung teilzunehmen. Er war im örtlichen Gewerkschaftshaus aufgebahrt, die Totenwache hielten Teilnehmer seines Infanterieregiments „Max Hölz“. Wegen seines entstellten Gesichts reisten einige Moskauer Bolschewiken nach der raschen Beisetzung heimlich nach Gorki, um die Umstände aufzuklären. Sie fanden Fischer, die in der Nähe der Pfeiler der neuen Wolgabrücke zwei Männer in einem Boot gesehen hatten, die auf einen mit fremdem Akzent sprechenden Dritten einschlugen. Sie machten ihr Boot an einem Pfeiler fest und hielten den Verletzten offenbar unter Wasser. Nach einiger Zeit verschwanden sie in der Abenddämmerung stromabwärts. Die Zeugen waren unter keinen Umständen bereit, ihre Aussagen zu beeiden oder auch nur schriftlich niederzulegen.
Hoelz‘ Leiche wurde nach offizieller Darstellung erst drei Tage später gefunden. Sie war etwa einen Meter unter der Wasseroberfläche in der Stahlverstrebung des mittleren Brückenpfeilers eingeklemmt. Bei der dort starken Strömung scheint es unwahrscheinlich, dass er von allein dorthin gelangt sein soll, zudem war Hoelz ein guter Schwimmer. Seine Frau durfte sich dem Leichnam nicht nähern. Sein Tod wurde entgegen sonstigen Gepflogenheiten nur in einer kleinen Zeitungsnotiz bekannt gegeben. Auch wurde er nicht nach Moskau überführt, öffentlich aufgebahrt oder an der Kremlmauer bestattet.
Eine der offiziellen Versionen seines Ablebens spricht von Ertrinken nach dem Kentern seines Bootes im Sturm auf der Wolga und Oka.
Hermann Weber Schreibt im Handbuch „Deutsche Kommunisten“ auf Seite 319: „Max Hoelz zählte zu den populärsten deutschen Kommunisten der Weimarer Republik, von seinen Zeitgenossen als „Tatmensch« gelobt, gehasst oder verachtet. Er spielte in den Auf-ständen der frühen zwanziger Jahre eine bedeutende Rolle, übte allerdings innerhalb der kommunistischen Parteiorganisaion selbst keine wichtigen Funktionen aus. Bekannt wurden seine Memoiren – „Vom weißen Kreuz- zur roten Fahne«.
In der UdSSR ist Max Hoelz am 15. September 1933 in der Oka ertrunken, sofort verbreiteten die Parteikommunisten, es sei ein Unglücksfall gewesen. Doch schon bald wurde vermutet, die sowjetische Geheimpolizei habe den sehr guten Schwimmer Hoelz ermordet. Inzwischen steht fest, dass er ein frühes Opfer der stalinistischen Säuberung war. Denn 1936/37 konstruierte das NKWD sogar eine »konterrevolutionäre, terroristische, trotzkistische Verschwörung«, der neben ~ Erich Wollenberg und Zensl Mühsam angeblich auch der zu diesem Zeitpunkt bereits über drei Jahre tote Max Hoelz angehört haben soll. „
NB: Es gibt verschiedene Schreibweisen des Namens: Hermann Weber/Andreas Herbst schreiben ihn -wie wikipedia „Hoelz“, andere, wie Wladislaw Hedeler verwenden die Schreibweise „Höltz“
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