Archiv | November, 2013

Flieg, Leo, geb. 5.11.1893, erschossen 14.3.1939

5 Nov
Leo Flieg, am 5. November 1893 in Berlin geboren, galt lange Jahre als „graue Eminenz“ der KPD. Er war der Funktionär, der in der Öffentlichkeit kaum bekannt, die entscheidenden Fäden in der Hand hielt.
Flieg entstammte einer jüdischen Familie in Berlin (Mutter, Schwester und viele Verwandte wurden im KZ ermordet).
Er wurde nach dem Besuch der Mittelschule kaufmännischer Angestellter bei einer Bank und war bis zum Krieg Bankbeamter. Mit 15 Jahren trat er 1908 der sozialistischen Jugendbewegung bei. Während des Krieges als Soldat Schreiber in der Geheimabteilung des Generalstabes. Flieg war bis 1918 für die Spartakusgruppe aktiv und seit Gründung Mitglied der KPD. Nach dem Krieg arbeitete Flieg, ein kleiner, zierlicher Mann, dessen gemessenes und schweigsames Wesen berühmt war, in der Jugendinternationale. 1918 wurde er als Sekretär von Leo Jogiches mit der Konspiration vertraut gemaehr. Gemeinsam mit Willi Münzenberg – mit dem ihn eine lebenslangeFreundschaft verband – wurde Flieg Organisator der internationalen kommunistischen Jugendbewegung, in deren führenden Gremien er bis 1922 wirkte. Seit dem III. Parteitag 1920 nahm er an allen KPD-Parteitagen teil, von 1922 bis 1932 Sekretär des Polbüros. 1924 Abgeordneter des Preußischen Landtags, dem er ununterbrochen bis 1933 angehörte. 1927 und 1929 wurde Flieg auch als Mitglied ins ZK gewählt. Schließlich auf dem VI. Weltkongreß der Komintern 1928 zum Mitglied der Internationalen Kontrollkommission berufen. Er übte seine Funktionen in allen Parteiführungen, gleich ob unter rechter, linker oder ultralinker Leitung, mit penibler Gewissenhaftigkeit aus. Erst 1932 wurde er als enger Freund Heinz Neumanns von seinen führenden Ämtern entbunden. Damals schrieb eine trotzkistische Zeitung über Flieg, die Mitglieder der KPD würden seinen Namen kaum kennen, aber er wäre der ruhende Pol des ZK gewesen: „… still und unscheinbar, kein hochfahrender Bonze, aber ein absolut zuverlässiger und pünktlicher Beamter, hat Leo Flieg manche Zentrale überlebt. Er hat Brandlers Geheimprotokolle geführt, ohne mit der Wimper zu zucken. Er hat die Rundschreiben von Ruth Fischer und Werner Scholem expe diert, und Kenner behaupten, die Ruth-Fischer-Zentrale sei auch die einzige gewesen, mit der Flieg im Grunde einverstanden gewesen sei. Trotzdem hat er auch Ewert überlebt, der ihm wenig getraut hat, und er hat seit 1928 als Personalchef der Thälmann-Zentrale immerhin vier Jahre das Kunststück fertiggebracht. das Büro eines Thälmann zu leiten. Alle Achtung vor solchen diplomatischen Talenten …“
Flieg kannte Pjarnirzki, Mirow-Abrarnow und die anderen Führer des illegalen Apparats der Komintern aus langjähriger Zusammenarbeit gut, er war zeitweise der für Deutschland verant wortliche Verbindungsmann der Geheimabteilung der OMS. Diese holten ihn vorübergehend zur Arbeit nach Moskau. Nach 1933 war er von Paris aus erneut für die KPD aktiv und konnte die wichtige Position eines technischen Sekretärs des Pol büros wieder ausüben. Auf der »Brüsseler Konferenz« der KPD 1935 erstattete Flieg (Pseu-
donym Alfons) den Kassenbericht und wurde nochmals zum Mitglied des ZK gewählt. Ostern 1937 erhielt er von der Komintern die Aufforderung, nach Moskau zu kommen. Während der Stalinschen Säuberung solcher Einladung Folge zu leisten, war mehr als riskant. Aber obwohl sein und Münzenbergs Freund, der schwedische Bankier Aschberg, ihm dringend riet, in Paris zu bleiben und ihm 'seine Unterstützung anbot, damit er als Emigrant in Paris leben könne, reiste Flieg nach Moskau. Da er für die Kasse der KPD verantwortlich war, befürchtete er, von der Komintern-Führung der Unterschlagung bezichtigt zu werden, wenn er ihrem Befehl nicht folgen würde.
Flieg traf im Juni 1937 in Moskau ein, wo ihn die IKK befragte. Obwohl ihm eine Rüge erteilt wurde, beantragte der deutsche Vertreter beim EKKI, Philipp Dengel, noch Anfang 1938, Flieg ausreisen zu lassen. Statt dessen wurde er jedoch am 20. März 1938 vom NKWD verhaftet und der „Mitgliedschaft in einer rechtstrotzkistischen Spionageorganisation« angeklagt. Nach brutalen Folterungen durch das NKWD beschuldigte Flieg sich selbst und zahlreiche andere. Er bestätigte in seinem erpreßten »Geständnis«,
einer kominternfeindlichen Verschwörung anzugehören. Am 14. März 1939 wurde Leo Flieg durch das Militärtribunal des Obersten Gerichtsder UdSSR zum Tode verurteilt und erschossen; 1957 posthum »rehabilitiert«.
 
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Die 42 zum Tode Verurteilen vom 1. November 1937

2 Nov
Sie kamen aus Ülzen, Hamburg, Kassel und Berlin, aus Bühren, aus Wedel a.d.Lippe, aus Oberndorf/Neckar, Brandenburg/Havel, aus Bochum, aus Hildesheim, aus Rosenheim, Halle/Saale und Leipzig, aus Österreich, Danzig und Callenberg/Sachsen, aus Frankfurt/Main, Altenburg, aus Rottweil, Metz und aus Guben. Die meisten waren sehr jung, alle kamen als begeisterte Freunde der Sowjetunion in dies Land. Alle wurden am 1. November 1937 zum Tode verurteilt und wenige Tage später erschossen. Die meisten von ihnen sind heute unbekannt, an ihren Heimatorten. Und hätten doch ein jeder einen Stolperstein verdient. Ehrt ihr Andenken!
Bart(h)els, Bernhard (Vater Georg), geb. 1890 in Ülzen, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Dolmetscher bei der Komintern, wohnhaft in Moskau, ul. Gor'kogo 36 (Hotel »Lux«). Verhaftet am 3. August 1937; beschuldigt der Teilnahme an der Organisation »Bund der Deutschen in der Ukraine«, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 er-schossen. Rehabilitiert am 29. Dezember 1956. Bestattungsort Butovo.
 
Borosch, Friedrich (Vater Karl), geb. 1913 in Hamburg, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Modellierer im Kolomensker Werk für Maschinenbau, wohnhaft im Haus des Kolomzavod 85, Kolomna, Mos-kauer Gebiet. Verhaftet am 20. August 1937; beschuldigt der Teilnahme an ei-ner faschistischen Spionageorganisation, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 4. Juni 1959. Bestattungsort Butovo
 
 
Borosch, Karl (Vater Wilhelm), geb. 1892 in Hamburg, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, Grundschulbildung, parteilos; Eisengussmodellierer im Kolo-mensker Werk für Maschinenbau, wohnhaft im Haus des Kolomzavod 85, Kolomna, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 30. Juli 1937, beschuldigt der Teil-nahme an einer terroristischen Spionageorganisation im Kolomensker Werk, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Re-habilitiert am 4. Juni 1959. Bestattungsort Butovo.
 
 
 
 
Det(t)ner Fritz (Vater Friedrich), geb. 1905 in Kassel, Deutscher, Staatsbürger Deutschlands, Hochschulbildung, parteilos; zuletzt arbeitslos, früher tätig im Sektor Auslandssendungen des Allunions-Radiokomitees, wohnhaft in Mos-kau, Bol's ˇoj Afanas'evskij pereulok 5. Verhaftet am 2. August 1937; beschuldigtder Verbindung zu Trotzkisten und des Verdachts der Spionage, von der Kom-mission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 4. Oktober 1989. Bestattungsort Butovo.
Dolski, Alfons (Vater Eduard), geb. 1909 in Berlin, Deutscher, aus einer Ar-beiterfamilie, mittlere Bildung, Politemigrant, seit 1934 Bürger der UdSSR;Schleifer im Werk Elektrozavod, wohnhaft in Moskau, Werksiedlung, Par-kovyj pereulok 2. Verhaftet am 2. August 1937; beschuldigt der konterrevo-lutionären Propaganda unter Arbeitern und der Verleumdung von Partei-und Regierungsführung, von der Kommission des NKVD und der Staats-anwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. No-vember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 12. September 1957. Bestattungsort Butovo.
 
Emich-Kapustina, Emma (Vater Alexander), geb. 1903, Angestellte in Moskau; Datum und Grund der Verhaftung und Einweisung in das Lager Solovki nicht angegeben; auf Beschluss der Sonderberatung der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet mit weiteren 1110 Häftlingen dieses Lagers in den Forst Sandormoch/Karelien überführt und dort am 1. November 1937 erschossen.
 
Falter, Wilhelm (Vater Franz), geb. 1885 in Bühren/Westfalen, Deutscher, aus ei-ner Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, seit 1904 SPD, 1920-1930 KPD, seit 1930 KPdSU; Schlosser im Schacht Nr. 9 in S ˇc ˇjokino-Ogarjovka, wohnhaft in der Sied-lung des Schachtes Nr. 9, Gebiet Tula. Verhaftet am 23. September 1937; beschuldigt der Spionage und der Übergabe geheimer Auskünfte an einen aus-ländischen Geheimdienst, von der Kommission des NKVD und der Staatsan-waltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. No-vember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 18. Mai 1989. Bestattungsort Butovo.
 
Galperin (Halperin), David (Vater Lasar), geb. 1891 in Polen, Jude, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, seit 1920 KPD, lebte bis 1933 in Dresden, seit Mai 1933 in der UdSSR, Mitglied der deutschen Sektion der Komintern; Mitarbeiter in der Tabakfabrik »Java«, wohnhaft in Moskau, Sus ˇc ˇovskij val 6. Ver-haftet am 3. August 1937; beschuldigt der Spionage für einen ausländischen Staat, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 18. Juni 1964. Bestattungsort Butovo.
 
Halle, Felix (Vater Albert), geb. 1884 in Berlin, Deutscher, Hochschulbildung, Professor, KPD; zuletzt am Institut für juristische Wissenschaften des Volks-kommissariats für Justiz der UdSSR tätig, wohnhaft in Moskau, Zemljanoj val 23/25. Verhaftet am 5. August 1937; beschuldigt der konterrevolutionären trotzkistischen Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsan-waltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. No-vember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 31. Oktober 1988. Bestattungsort Bu-tovo. Ausführlicher Wikipedia-Artikel hier.
 
Heinze, Gustav (Vater Gustav), geb. 1899 in Deutschland, Bootsmann der Nördlichen Handelsflotte der UdSSR; Datum und Grund der Verhaftung und Einweisung in das Lager Solovki nicht angegeben; auf Beschluss der Sonder-beratung der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet mit weiteren1110 Häftlingen dieses Lagers im Oktober 1937 in den Forst Sandormoch/ Karelien überführt und dort am 1. November 1937 erschossen.
 
Hentschke, Willi (Vater Robert), geb. 1910 in Berlin, Deutscher, aus einer An-gestelltenfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Chemiker/Techniker im che-mischen Kombinat Voskressenskij, wohnhaft in der Siedlung Krivjakino, Vosk-res-sensker Rayon, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 8. August 1937; beschuldigt der Teilnahme an einer Diversions- und Spionagegruppe, von der Kommis-sion des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 18. Juni 1956. Bestattungsort Butovo.
 
Hinz, Karl (Vater Karl), geb. 1885 in Hamburg, Deutscher, aus einer Arbeiter-familie, mittlere Bildung, parteilos; Abteilungsleiter in der Spulenfabrik »Dzerz ˇinskij«, wohnhaft in Moskau, ul. Molodez ˇnaja 14. Verhaftet am 3. Au-gust 1937; beschuldigt der konterrevolutionären faschistischen Agitation und der Schädlingsarbeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwalt-schaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestattungsort Butovo.
 
Höflich (russ. Geflich), Gertrud (Vater Georg), geb. 1911 in Berlin, Deutsche, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos, seit März 1933 in der UdSSR; Lehrerin in Moskau, dann Hausfrau, wohnhaft ul. Fabric ˇnaja 30 in Kuncevo, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 20. Juni 1937; beschuldigt der Spio-nage, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestattungsort Butovo.
 
Höflich (russ. Geflich), Karl (Helly, Georg; Vater Anton), geb. 1896 in Buda-pest, Ungar, aus einer Arbeiterfamilie, nicht abgeschlossene Hochschulbildung, während der Revolution 1919 in Ungarn Vorsitzender des Revolutionären Mi-litärtribunals, dann Mitarbeiter im zentralen Apparat der KPD, seit März 1933 in der UdSSR; Technologieingenieur im Werk »KIM«, wohnhaft ul. Fabric ˇ-naja 30 in Kuncevo, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 22. Mai 1937; von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. Novem-ber 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestattungsort Butovo.
 
Jan, Wilhelm (Hahn, Hans; Vater Wilhelm), geb. 1910 in Wedel a. d. Lippe, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, seit 1932 KPD; Tischler in einem Rü-stungsbetrieb des Sojussnabossoaviachim, wohnhaft in Moskau, Tus ˇino, Pla-nernyj zavod, Baracke 1. Verhaftet am 1. November 1937; beschuldigt des Ver-dachts der Spionage und konterrevolutionärer faschistischer Agitation, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 4. September 1989. Bestattungsort Butovo.
 
Kloss, Michael (Vater Nikolay), geb. 1905 in der Westukraine, Mitglied der KPD (1925), zuletzt Arbeiter in Charkow; Datum und Grund der Verhaftung und Einweisung in das Lager Solovki nicht angegeben; auf Beschluss der Be-sonderen Beratung der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet mit weiteren 1110 Häftlingen dieses Lagers im Oktober 1937 in den Forst Sandor-moch/Karelien überführt und dort am 1. November 1937 erschossen.
 
Lang, Eugen (Vater Xaver), geb. 1910 in Oberndorf/Neckar, Deutscher, aus ei-ner Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, seit 1930 KPD. Schlosser im Werk Nr. 8 »Moss ˇtamp«, wohnhaft in Moskau, ul. Bol's ˇaja Spasskaja 19. Verhaftet am 9. August 1937; beschuldigt faschistischer Agitation und der Teilnahme an ei-ner terroristischen Spionageorganisation im Kolomensker Werk für Maschi-nenbau, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 er-schossen. Rehabilitiert am 29. September 1989. Bestattungsort Butovo.
 
Leow, Hans (Vater Wilhelm), geb. 1907 in Brandenburg/Havel, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, Maschinensetzer, zuletzt KPdSU; Set-zer und Linotypist in der 7. Druckerei »Iskra revoljucii«. Verhaftet am 10. Sep-tember 1937; beschuldigt der engen Verbindung zu verurteilten Trotzkisten, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November
 
Lichtenstein, Josef (Vater Leon), geb. 1902 in Polen, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, Modelltischler, seit 1930 KPD, seit Juni 1932 als Facharbeiter in der UdSSR; Modellierer im Autowerk »Stalin«, wohnhaft in Moskau, Vy-stavoc ˇnyj pereulok 16a. Verhaftet am 27. Oktober 1937; beschuldigt, auf be-trügerische Weise in die UdSSR gekommen und im Ausland Mitglied einer konterrevolutionären Spionageorganisation gewesen zu sein, sowie der Ver-bindungen zu den Botschaften von Polen und Österreich, von der Kommis-sion des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 2. No-vember 1955. Bestattungsort Butovo.
 
Lubs, Wilhelm (Vater Wilhelm), geb. 1902 in Berlin, Deutscher, aus einer Ar-beiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Meister im Kolomnaer Maschinen-bauwerk, wohnhaft in Bocmanovskoje S ˇosse 87, Kolomna, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 29. Juli 1937; beschuldigt der Spionage und terroristischer Tätig-keit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR
am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 16. Februar 1959. Bestattungsort Butovo.
 
Margies, Rudolf (Vater Rudolf), geb. 1917 in Bochum, Deutscher, mittlere Bildung, seit 1929 in der UdSSR; Dreher an der Revolverbank im Transforma-torenwerk des Moskauer Elektrokombinats, wohnhaft in Moskau, ul. Stro-mynka 23. Verhaftet am 10. September 1937; beschuldigt der Nichtanzeige des konterrevolutionären Vaters und der Spionage, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode ver-urteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestattungsort Butovo.
 
Meier (russ. Mejer), Ernst (Vater Ernst), geb. 1903 in Hildesheim? (russ. Gil-lessaim), Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, Grundschulbildung, seit 1927 KPD; Schlosser im Platin-Nadelwerk »KIM«, wohnhaft Kazac ˇij lug 18, Kun-cevo, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 29. August 1937; beschuldigt des Ver-suchs, während der Untersuchung seinen Besuch der deutschen Botschaft zu verbergen, sowie der Teilnahme an einer faschistischen Gruppe, von der Kom-mission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestattungsort Butovo.
Metzger, Arnold (Wegener, Georg; Vater Leon), geb. 1899 in Polen, Deutscher, aus einer Kleinbürgerfamilie, mittlere Bildung, Tischler, seit 1912 Freie soziali-stische Jugend Österreichs, seit September 1931 KPD, aus Deutschland ausge-wiesen, seit 1934 in der UdSSR; außenpolitischer Redakteur, Assistent des verantwortlichen Sekretärs der »DZZ«, wohnhaft in Moskau, Vystavoc ˇnyj pe-reulok 16a. Verhaftet am 16. Februar 1938; beschuldigt der Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft derUdSSR am 29. Juli 1938 zum Tode verurteilt, am 16. August 1938 erschossen. Rehabilitiert am 1. November 1957. Bestattungsort Butovo.
Müller-Brodin, Therese (Vater Josef), geb. 1898 in Rosenheim; Hausfrau, wohnhaft in Pskov, ul. Michajlovskaja 4. Verhaftet am 11. November 1937, vom Staatsanwalt und dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Ge-biet am 8. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 15. Dezember 1937 er-schossen. Bestattungsort Levas ˇovo/Leningrad.
Mündel, Paul (Vater Otto), geb. 1909 in Halle/Saale, Deutscher, aus einer Ar-beiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Instrukteur beim Moskauer Baukon-tor des NKVD, wohnhaft in Moskau, ul. Bol's ˇaja poc ˇtovaja 18/20. Verhaftet am 11. September 1937; beschuldigt der Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. No-vember 1937 zum Tode verurteilt, erschossen am 3. November 1937. Rehabili-tiert am 24. Oktober 1957. Bestattungsort Butovo.
 
Neumann, Nathan (Vater Abraham), geb. 1897 in Warschau, Jude, aus einer Arbeiterfamilie, Buchbinder, seit 1923 KPD, emigrierte 1933 nach Paris, seit 1934 in der UdSSR; Meister in der Buchbinderei der Druckerei »Detskaja kniga«, wohnhaft in Moskau, ul. Brjanskaja 28. Verhaftet am 5. August 1937; beschuldigt der konterrevolutionären Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 5. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 23. März 1957. Bestattungsort Butovo.
Olbricht, Rolf (Müller, Rudolf; Vater Ernst), geb. 1900 in Leipzig, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, KPD; Fräser im Werk Nr. 230, wohnhaft in Moskau, ul. Obucha 3. Verhaftet am 29. Juli 1937; beschuldigt der Verbindungen zu Agenten des deutschen Geheimdienstes, der Spionage und der Diversionstätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwalt-schaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1938 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestattungsort Butovo.
Reider (Kogrossi), Alexander (Vater Anton), geb. 1902 in Berlin, in der UdSSR seit 1930. Datum und Grund der Verhaftung nicht angegeben, kam um 1936 in das Lager Solovki, von dort im Oktober 1937 in den Forst Sandormoch/ Karelien überführt, wo er neben weiteren 1110 Häftlingen auf Beschluss der Sonderberatung der Verwaltung des NKVD für das Leningrader Gebiet am 1. November 1937 erschossen wurde.
Ri(y)ndhorn, Herschel (Vater Schmul) geb. 1877 in Deutschland, Deutscher, aus einer Angestelltenfamilie, Grundschulbildung, parteilos; Meister in der Obuchover Teppichfabrik, wohnhaft in Noginsk, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 26. September 1937; beschuldigt der konterrevolutionären faschistischen Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 13. November 1937 er-schossen. Rehabilitiert am 6. August 1959. Bestattungsort Butovo.
Schilde, Wolfgang (Broswitz, Alfred; Vater Walter), geb. 1915 in Danzig, Deut-scher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Kontrolleur im Werk »E · lektrostal'«, wohnhaft Werksiedlung in Noginsk, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 29. Juli 1937; beschuldigt der Spionage, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 28. No-vember 1989. Bestattungsort Butovo.
Schochel, Rudolf (Vater Josef), geb. 1899 in Österreich-Ungarn, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, 1921-1925 KPD; Tischler im Werk Nr. 161, wohnhaft in Moskau, Maskov pereulok 8. Verhaftet am 3. August 1937; beschuldigt der konterrevolutionären Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 4. Oktober 1989. Bestattungsort Butovo.
Schüchel, Rudolph (Vater Joseph), geb. 1899 in Rumburg/Österreich-Ungarn (Tschechoslowakei), Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, 1921-1925 KPD; Tischler im Werk Nr. 161, wohnhaft in Moskau, Maskov pe-reulok 8. Verhaftet am 3. August 1937; beschuldigt konterrevolutionärer Tätig-keit, von der Kommission des NKWD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 4. Oktober 1989. Bestattungsort Butovo.
Schwadtke, Paul (Vater Wilhelm), geb. 1903 in Berlin, aus einer Arbeiterfami-lie, mittlere Bildung, parteilos; Schlosser im Werk »Krasnyj s ˇtampovs ˇc ˇik«, wohnhaft in Moskau, ul. Pasec ˇnaja 1. Verhaftet am 3. August 1937; beschuldigt der Verbindungen zu in Deutschland lebenden Personen und der konterrevo-lutionären Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwalt-schaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 2. Oktober 1957. Bestattungsort Butovo.
Stoll, Otto (Granz, Bruno; Vater Gottfried), geb. 1880 in Callenberg/Sachsen, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, Bäckermeister, seit 1903 SPD, seit 1919 KPD, 1920-1926 MdL in Sachsen, Redakteur des »Kämpfer«, emigrierte im März 1933 in die C ˇSR, kam 1937 in die UdSSR; stellv. Direktor der Bäckerei Nr. 47 des Mosgortrest, wohnhaft in Moskau, 2. Centrosojuznyj pereulok 13. Verhaftet am 4. September 1937; beschuldigt der Spionage für Deutschland und der systematischen konterrevolutionären Agitation, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 4. Juli 1957. Bestattungsort Butovo.
Subkleve, Friedrich (Vater Karl), geb. 1911 in Hamburg, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Verputzer im Werk Nr. 69, wohn-haft Siedlung Krasnogorsk in Pavs ˇino, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 29. Juli 1937; beschuldigt der Spionage und antisowjetischer Agitation, von der Kom-mission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestattungsort Butovo.
Taubenberger, Heinz (Vater Hermann), geb. 1915 in Frankfurt/Main, Sohn ei-nes professionellen Revolutionärs, mittlere Bildung, parteilos; wohnhaft in Moskau, ul. 2. Boevskaja 8. Verhaftet am 10. September 1937; beschuldigt der Nichtanzeige der konterrevolutionären Verbindungen seines Vaters, Tauben-berger Hermann, zum Trotzkisten Erich Wollenberg, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 20. April 1959. Bestattungsort Butovo.
Ausführlicher Wikipedia-Artikel über den Vater und die Familie hier.
Ulbricht, Richard (Vater Christopher), geb. 1873 in Altenburg, aus einer Ar-beiterfamilie, Dreher, seit 1913 SPD, seit 1919 KPD, seit 1930 als Facharbeiter in der UdSSR, seit 1931 KPdSU; Dreher in der Abteilung für technische Si-cherheit des Werkes Nr. 3 in Orechovo-Zujevo, wohnhaft ul. Leninskaja 65 in Orechovo-Zujevo, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 20. September 1937; be-schuldigt der Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt,am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. September 1989. Bestat-tungsort Butovo.

Winzenrid? (russ. Wincenrid), Mathias (Vater Thomas), geb. 1896 in Rottweil, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Instrukteur im 2. Uhrenwerk, wohnhaft in Moskau, Tovaris ˇz ˇeskij pereulok 27/24. Verhaf-tet am 3. August 1937, beschuldigt der Spionage, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 11. Mai 1961. Be-stattungsort Butovo.
Küpper, Karl (Vater Walter), geb. 1912 in Metz/Frankreich, Deutscher, mitt-lere technische Bildung, parteilos; Elektroschweißer im Moskauer Waggon-ausbesserungswerk, wohnhaft in Moskau, Protoc ˇnyj pereulok 10. Verhaftet am 1. November 1936; beschuldigt der Spionage und terroristischer Diver-sionstätigkeit, vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 3. Oktober 1937 zum Tode verurteilt und an diesem Tag erschossen. Rehabili-tiert am 20. Juni 1990. Bestattungsort Friedhof Donskoe.
Stahl, Heinrich (Vater Johann), geb. 1882 in Lettland, Deutscher, aus einer Bauernfamilie, Grundschulbildung, 1918-1921 KPdSU; zuletzt ohne bestimmte Tätigkeit, wohnhaft in Moskau, ul. Tichvinskaja 16. Verhaftet am 13. April 1937; beschuldigt der Äußerung konterrevolutionärer trotzkistischer Ansich-ten und der Verbreitung provokatorischer Erfindungen über die Politik der KPdSU, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 er-schossen. Rehabilitiert am 29. September 1989. Bestattungsort Butovo.
T(h)om, Hermann (Vater Johann?), geb. 1873 in Lettland, Deutscher, Sohn ei-nes Matrosen, Grundschulbildung, KPdSU; Meister in der Gießerei des Wer-kes Nr. 3 »Kalinin«, wohnhaft in Moskau, Runovskij pereulok 10. Verhaftet am 23. September 1937; beschuldigt der konterrevolutionären faschistischen Agi-tation und der Verbreitung provokatorischer Gerüchte, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 1. November 1937 zum Tode verurteilt, am 3. November 1937 erschossen. Rehabilitiert am 14. Sep-tember 1989. Bestattungsort Butovo.
Willert, Fritz, geb. am 30. August 1908 in Warkhallen bei Guben, Hafenarbeiter, wohnte in Hamburg, emigrierte in die UdSSR. Am 21. November 1937 ver-haftet, zum Tode verurteilt, am 5. Januar 1938 in C ˇeljabinsk erschossen. Reha-bilitiert 1997.
 
 
 
 
 
 
 
 
 

SIEWERT, ROBERT * 10.12.1887, † 2.11.1973

2 Nov

Jugend, Krieg und frühe Weimarer Zeit[Bearbeiten]

Siewert war Sohn eines Zimmermanns und wurde Maurer. Nach seiner Lehre ging er auf Wanderschaft und wurde 1906 Mitglied derSPD. 1908 bis 1915 arbeitete er als Maurer in der Schweiz und lernte dort Lenin und Heinrich Brandler kennen.
Im Ersten Weltkrieg war Siewert als Soldat an der Ostfront und betätigte sich dort illegal für den Spartakusbund. 1918 gehörte demSoldatenrat der X. Armee an und wurde danach Mitglied der KPD.
1919 wurde Siewert Polleiter im Bezirk Erzgebirge, war 1919 und 1920 Parteitagsdelegierter und schließlich Schriftführer auf dem Vereinigungsparteitag mit der USPD. Auf den KPD-Parteitagen 1921 und 1923 wird er in den Zentralausschuss gewählt. 1922 ist er Delegierter beim IV. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (KI). 1922 tritt er in die Leitung der Parteiverlage ein. 1923 wird er Polleiter in Chemnitz.
Siewerts politischer Standort war zwischen den „Brandleristen“ und der „Mittelgruppe / Versöhnler“ angesiedelt, was zur Folge hatte, dass er 1924 seiner Parteifunktionen enthoben und nach Berlin gesandt wurde, wo er zunächst nur noch unbedeutende Funktionen ausüben durfte. Zusammen mit Hans Beck organisierte er ab 1926 die Arbeiterdelegation in die Sowjetunion. Später arbeitete er als Redakteur der Einheit, einer sich an linke Sozialdemokraten richtenden Zeitschrift. 1926 wurde Siewert in den Sächsischen Landtaggewählt, welchem er bis 1929 angehörte.

Gegen die Stalinisierung der KPD[Bearbeiten]

Robert Siewert (Briefmarke der DDR, 1987)

Gedenktafel für Siewert an einem Haus im Römerweg nahe Treskowallee

Weil er in seiner Parteitätigkeit die Position der „Brandleristen“ vertrat, wurde er Ende 1928, im Zuge der „Stalinisierung“ der KPD, seiner Funktionen enthoben und am 14. Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen.

Robert Siewert wurde aktiver Funktionär der KPO und Mitglied der Bezirksleitung Westsachsens und behielt sein Landtagsmandat als Mitglied einer fünfköpfigen KPO-Fraktion im Sächsischen Landtag. Von 1931 bis 1933 arbeitete er als Verlagsleiter der Tageszeitung Arbeiterpolitik zuerst in Leipzig, dann in Berlin.
Von 1933 bis zu seiner Verhaftung Ende 1934 gehörte er gemeinsam mit Erich Hausenund Fritz Wiest zur ersten illegalen Reichsleitung der KPO.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Von den Nationalsozialisten wurde er unter dem Vorwurf des Hochverrats vomVolksgerichtshof zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und war ab 1935 für die gesamte Strafdauer in Luckau inhaftiert. Anschließend wurde er in das KZ Buchenwald überstellt. Dort näherte Siewert sich politisch wieder der KPD an. Er wurde an führender Stelle in der illegalen Einheitsorganisation des Lagers, die aus Kommunisten und Sozialisten bestand, tätig; vielfach setzte sich Siewert für jüdische Mithäftlinge und im Lager gefangen gehaltene Kinder ein und organisierte für polnische und jüdische Jugendliche einen Maurerlehrkurs. In Buchenwald war Siewert Kapo beim Baukommando I.
Nachdem er Ende August 1944 auf einer von Willi Bleicher organisierten illegalen Gedenkfeier für den kurz zuvor ermordeten Ernst Thälmann eine Rede gehalten hatte, war er zusätzlichen Repressalien ausgesetzt.
Dort wurde er kurz vor der beabsichtigten Erschießung 1945 von den Amerikanern befreit. Siewert trat wieder der KPD bei, wurde 1. Vizepräsident der Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, dann Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt. Er war Mitglied der KPD-BL bzw. des SED-Landesvorstands und ab 1949 im sogenannten Kleinen Sekretariat der Landesleitung Sachsen-Anhalt. Wegen seiner früheren KPO-Zugehörigkeit wurde er im April 1950 degradiert, nur noch Leiter des Sekretariats für örtliche Wirtschaft im Ministerium für Aufbau (Bauwesen). Nun verlor er in der SED jeden politischen Einfluß, wurde erst im Rahmen der »Entstalinisierung« wieder genannt, blieb bis 1967 im Ministerium für Bauwesen.

Repressionen gegen ehemalige KPO-Mitglieder[Bearbeiten]

Seit 1950 folgten Kampagnen gegen ehemalige KPO-Mitglieder. Gegen Siewert und andere wurden Repressionsmaßnahmen eingeleitet: Siewert wurde abgesetzt und in das Ministerium für Bauwesen versetzt. Er musste einen „selbstkritischen“ Artikel imNeuen Deutschland verfassen, der auch am 25. Januar 1950 erschien, jedoch am 15. März als ungenügend bezeichnet wurde. Deshalb hatte er einen neuen Artikel mit größerer Selbstkritik abzuliefern. Seitens der Parteikontrollkommission (ZPKK) wurde Wert auf die Feststellung gelegt, dass die KPO nicht eine Agentur des Finanzkapitals geworden sei, sondern dies bereits von Anfang an gewesen sei.
Siewert starb am 2. November 1973 und wurde in der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten auf demZentralfriedhof Friedrichsfelde bestattet. In einem offiziellen Nachruf seitens der SED wurde er als „engster Kampfgefährte Ernst Thälmanns bezeichnet. In drei offiziellen Gedenkbroschüren fehlte jede Andeutung über die führende Mitarbeit in der KPO.
Quellen:wikipedia und Handbuch deutsche Kommunisten
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