Die 18 Erschossenenen vom Friedhof Moskau-Butovo vom 29. Dezember 1937

30 Dez
Sie kamen aus Berlin und Stuttgart, aus Chemnitz und Breslau, aus Hamburg und Riestädt/Sachsen, aus Bremen und Jena, aus Kiel und aus Glatz/Schlesien, und aus Köln. sie kamen als Freunde. Und kamen dort um. Setzt Ihnen an den Orten ihres Wirkens Gedenk- und Stolpersteine!
Lünenberg? (russ. Linenberg), Julius (Vater August), geb. 1898 in Breslau, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; technischer Inspektor für Arbeit beim ZK der Tabakarbeiter-Gewerkschaft, wohnhaft in Moskau, 2. Ogorodnyj pereulok 9. Verhaftet am 14. November 1937; beschul-digt der Verherrlichung des faschistischen Regimes und des Verdachts der Spionage, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 3. November 1969. Bestattungsort Butovo.
Pelz, Richard (Vater Bruno), geb. 1907 in Berlin, Deutscher, aus einer Arbei-terfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Konstrukteur in einem Mechanisie-rungskontor der NKVD-Verwaltung für das Moskauer Gebiet. Verhaftet am 14. Oktober 1937; beschuldigt der Spionage für Deutschland, von der Kom-mission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 8. Juni 1957. Bestattungsort Butovo.
Reise/Reuse? (russ. Rejse), Friedrich (Vater Christian), geb. 1871 in Hamburg, Deutscher, Sohn eines Schneiders, mittlere Bildung, parteilos; Gärtner des Sanatoriums »Lenin«, wohnhaft in der Siedlung S ˇc ˇurovo, Moskauer Gebiet. Ver-haftet am 20. November 1937; beschuldigt konterrevolutionärer Auffassungen, der Sammlung von Auskünften über besonders wichtige Verteidigungsobjekte sowie der systematischen Verbindungen zur deutschen Polizei, von der Kom-mission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 20. September 1957. Bestattungsort Butovo.
Retzlaff, Charlotte, (vorher Lass, Wilhelmine, geb. Pauli[y]), geb. 1901 in Ham-burg, Deutsche, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, seit 1919 KPD, seit 1922 im zentralen Parteiapparat, emigrierte im Dezember 1933 in die UdSSR; Stenotypistin im Verlag für Ausländische Arbeiter, zuletzt beschäftigungslos, wohnhaft in Moskau, Kapel’skij pereulok 13. Verhaftet am 26. November 1937; beschuldigt der Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 27. Februar 1964. Bestattungsort Butovo.
Runge, Paul (Vater Karl), geb. 1905 (1895?) in Riestädt/Sachsen, aus einer Ar-beiterfamilie, mittlere Bildung, seit 1930 KPD, seit Oktober 1931 als Facharbei-ter in der UdSSR; Kranmaschinist im Zementwerk »Gigant«, wohnhaft in Siedlung Krasnyj stroitel‘, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 19. November 1937; beschuldigt der Spionage und nachrichtendienstlicher Tätigkeit auf dem Ter-ritorium der UdSSR und im Werk »Gigant«, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode ver-urteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 15. März 1962. Bestattungsort Butovo.
Kir(sch)stein, Karl (Vater Karl), geb. 1872 in Lettland, Deutscher, aus einer An-gestelltenfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Rentner, wohnhaft in Moskau, Podsosenskij pereulok 6. Verhaftet am 30. November 1937; beschuldigt der Verbindung zum Residenten eines ausländischen Nachrichtendienstes und der Teilnahme an faschistischen Gesprächen, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode ver-urteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 19. Juli 1972. Be-stattungsort Butovo.
Matz, Otto (Vater Andrè), geb. 1887 in L ~ódz, Deutscher, aus einer Arbeiterfa-milie, Grundschulbildung, parteilos; Heizer in der Zentralen Klinik des Volks-kommissariats für Kommunikation, wohnhaft in Moskau, Baltijskij pereulok 13. Verhaftet am 27. November 1937; beschuldigt der Spionage, der aktiven Di-version und terroristischer Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 21. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 26. September 1989. Bestat-tungsort Butovo.
Stefanus, Eugen (Vater Oskar), geb. 1901 in L ~ódz, Deutscher, aus einer Arbeiter-familie, Hochschulbildung, ehem. englischer Staatsbürger, parteilos; Chemie-forscher im Werk »Mos’chimkraska«, wohnhaft in Moskau, ul. Stromynka 32/Studentenwohnheim. Verhaftet am 27. November 1937; beschuldigt verdäch-tiger Beziehungen zu Deutschen und Polen und systematischer antisowjeti-scher Tätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 28. November 1989. Bestattungsort Butovo
Weißbrodt, Karl (Vater Karl), geb. 1868 in Estland, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos; Techniker in der Abteilung für technische Kontrolle der Kupavinsker Tuchfabrik, wohnhaft in Noginsk, Tuch-fabriksiedlung 6, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 23. Oktober 1937; beschul-digt der konterrevolutionären Agitation, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 30. September 1989. Be-stattungsort Butovo. .
Kullmann/Kuhlmann?, Willjam/Wilhelm? (Vater Friedrich), geb. 1903 in Bre-men, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, 1918-1925 KPD; Meister im Werk des Instituts für Mechanisierung der Landwirtschaft, wohn-haft im Städtchen des Instituts/Haus 1, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 4. No-vember 1937; beschuldigt der Spionage für den deutschen Nachrichtendienst, am 23. Dezember 1937 von der Kommission des NKVD und der Staatsan-waltschaft der UdSSR zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 28. November 1989. Bestattungsort Butovo.
Kullmann/Kuhlmann? (russ. Kul’man), Else (Vater Christian), geb. 1908 in Stuttgart, Deutsche, aus einer Arbeiterfamilie, Hochschulbildung, parteilos; zuletzt Hausfrau, vom Ehemann unterhalten, wohnhaft im Städtchen des In-stituts für Mechanisierung der Landwirtschaft/Haus 1, Moskauer Gebiet. Ver-haftet am 21. November 1937; beschuldigt der Spionage und der nachrichten-dienstlichen Tätigkeit, am 23. Dezember 1937 von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 28. November 1989. Bestattungsort Butovo.
Kramer, Kurt (Vater Richard), geb. 1901 in Jena, Deutscher, aus einer Arbei-terfamilie, mittlere Bildung. Schlosser im Werk »Karbolit«, wohnhaft in Ore-chovo-Zujevo, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 28. August 1937; beschuldigt der Spionage für eine fremde Macht, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 er-schossen. Rehabilitiert am 28. November 1989. Bestattungsort Butovo.
Kock, Max (Vater Rudolf), geb. 1903 in Kiel, Deutscher, aus einer Arbeiterfa-milie, Grundschulbildung, parteilos; Arbeiter in einer Wurstfabrik, wohnhaft in Ulitkino, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 5. Dezember 1937; beschuldigt der Spionage für den deutschen Nachrichtendienst und der Schädlingstätigkeit, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Re-habilitiert am 28. November 1989. Bestattungsort Butovo.
Kiesewetter, Paul (Vater Franz), geb. 1895 in Wellisfurth b. Glatz/Schlesien, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, parteilos. Maler, wohn-haft in Moskau, ul. Marchlevskogo 14. Verhaftet am 27. November 1937; beschuldigt der konterrevolutionären Tätigkeit und der Spionage, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR zum Tode ver-urteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 28. November 1989. Bestattungsort Butovo.
Funk, Peter (Ziert, Peter; Vater Josef), geb. 1909 b. Köln, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere Bildung, KPD; Werkzeugausgeber in der Nadelfabrik »KIM«, wohnhaft in Kuncevo, Moskauer Gebiet. Verhaftet am 23. Dezember 1937; beschuldigt der Mitgliedschaft in einer konterrevolutionären Organisa-tion und der Spionage für Deutschland, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1938 erschossen. Rehabilitiert am 11. November 1957. Bestattungsort Butovo.
Bet(h)ling, Wilhelm (Vater Wilhelm), geb. 1902 in Berlin, Deutscher, aus einer Arbeiterfamilie, mittlere technische Bildung, KPD; Konstrukteur im Werkzeug-maschinenwerk »Ordz ˇonikidze«, wohnhaft in Moskau, 5. Donskoj proezd 21a. Verhaftet am 4. Oktober 1937; beschuldigt der Spionage, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 28. Sep-tember 1989. Bestattungsort Butovo.
Bauer, Lucie (König, Johanna/Hanni Elsa), geb. 1914 in Chemnitz, Deutsche, mittlere Bildung, seit 1929 KJVD, dann KPD, 1934 Teilnahme an einem drei-monatigen Kursus an einer Jugendschule in Moskau, blieb – nach der Verhaf-tung ihres Verlobten Ernst Wabra in Deutschland – in der UdSSR; zuletzt Radiomonteurin im Radiowerk, wohnhaft in Moskau, ul. Gor’kogo 36 (Hotel »Lux«). Verhaftet am 20. September 1937; beschuldigt der Verbindung zu ei-nem Faschisten, von der Kommission des NKVD und der Staatsanwaltschaft der UdSSR am 23. Dezember 1937 zum Tode verurteilt, am 29. Dezember 1937 erschossen. Rehabilitiert am 9. Januar 1958. Bestattungsort Butovo
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