DAVID, HANS WALTER * 26.3.1893, † 1942

25 Mrz
Biographische Angaben aus dem Handbuch der Deutschen Kommunisten:
 

David, Hans-Walter. Geb.26.3.1893 in Mönchen-Gladbach. Komponist und Kapellmeister. David entstammte einem bürgerlich-jüdischen Milieu, sein Vater war Justizrat in Mönchen-Gladbach. Der 1. Weltkrieg unterbrach sein in München begonnenes Jura- und Musikstudium. David trat 1914 als Freiwilliger bei der Feldartillerie ein und erhielt eine Reihe von Auszeichnungen (EK 1, EK II usw.). 1918 war aus dem Offiziersstellvertreter (nach anderen Angaben: Hauptmann), der sich an den masurischen Seen schwere Erfrierungen zugezogen hatte, ein entschiedener Antimilitarist geworden;

David trat der KPD bei. In Berlin setzte er an der staatlichen Hochschule für Musik sein Studium fort und wurde 1924 vom Schauspielhaus Düsseldorf als Kapellmeister angestellt. Bis 1933 als Musikschriftsteller, Kritiker, Lehrer für Musiktheorie und Komponist wirkend, sah sich David beim Machtantritt der Nazis zur Emigration gezwungen.

Seit April 1933 in Paris lebend, fand er hier keine entsprechenden beruflichen Perspektiven und entschloss sich daher (zusammen mit seiner Frau Lina, geb. Nathan) im November 1935 einer Einladung des sowjetischen Komponistenbundes nach Moskau zu folgen. Im Mai 1936 erhielt David durch das „Komitee für Kunstangelegenheiten“ einen Vertrag als staatlicher Musikinspektor der Autonomen Republik der Wolgadeutschen, Generalmusikdirektor und künstlerischer Leiter des Deutschen Staatschors in Engels. Begeistert schrieb er in der »Deutschen Zentral-Zeitung«, im »Land des Sozialismus« habe er eine »neue Heimat gefunden«. Am 5.11.1937 vom NKWD verhaftet. Als „deutscher Spion“ beschuldigt, wurde David in der Haft gefoltert. Seine Frau musste die UdSSR verlassen und ging nach Belgien.

Angeblich hatte man David verhaftet, weil er Stalin eine Geburtstagshymne geschickt hatte, die in der verfemten Zwölftonmusik geschrieben war. Zwei Jahre in verschiedenen Gefängnissen (Engels, Saratow, Moskau) inhaftiert, wurde er am 11.9.1939 aufgrund eines „Sonderbeschlusses des NKWD in ein Arbeitslager im Norden Rußlands deportiert. Hier sollte er eine fünfjährige Strafe“ verbüßen, wurde aber einige Monate später nach Moskau zurückgebracht und am 29.4.1940 (nach anderen Angaben: 2.5.1940) der deutschen Polizei in Brest-Litowsk übergeben.

Nach kurzer Haft schob man ihn ins Lubliner Ghetto ab. David übte hier verschiedene Funktionen im Judenrat aus. 1942 von der Gestapo verhaftet, wurde er ins Vernichtungslager Majdanek deportiert und vergast.

 
© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Karl Dietz Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages.
 

(Karl Dietz Verlag Berlin, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Tel. 030 – 29 78 45 34)
 

 
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