Archiv | Mai, 2014

TAUBENBERGER, HERMANN,* 21.11.1895, † 29.5.1937

31 Mai
 

Geboren am 21. November 1895 in München; von Beruf Eisenbahningenieur, war als Einjährig-Freiwilliger im Weltkrieg, wurde verwundet und 1917 vor ein Kriegsgericht gestellt. Im November 1918 kehrte er nach München zurück, Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates, als dessen Vertreter nahm er an den Waffenstillstandsverhandlungen in Spa teil. In München Elektrotechniker im Bayerischen Kriegsministerium. Er wurde 1919 Mitglied der KPD und während der Kämpfe der Bayerischen Räterepublik Befehlshaber der »Roten Armee« am Dachauer Frontabschnitt. Am 14. Mai 1919 zu drei Jahren Festungshaft verurteilt, die er in Niederschönfeld verbüßte. Nach seiner Freilassung Mitarbeiter des AM-Apparats, 1923 von der Zentrale beauftragt, für den geplanten »deutschen Oktober« illegale Kampfformationen aufzustellen. Er wurde nach dem Scheitern des Aufstands im Februar 1924 in Stuttgart festgenommen, konnte jedoch im Herbst aus der Haft nach Paris fliehen und emigrierte in die Sowjetunion. Dort zunächst in einem Elektrowerk, dann in einer Stalingrader Kanonenfabrik tätig, er wurde Mitglied der KPdSU(B) und arbeitete als Ingenieur beim Volkskommissariat für Schwerindustrie. Taubenberger wollte – inzwischen amnestiert – nach Deutschland zurück, erhielt aber wegen seiner Beschäftigung in der sowjetischen Rüstungsindustrie keine Ausreisegenehmigung. Er blieb beim Obersten Volkswirtschaftsrat, Stellvertreter des Vorsitzenden des Rats für Flugzeugindustrie und Mitglied des Präsidiums des Technisch-Wissenschaftlichen Komitees für Maschinenbau.

In der Moskauer Wohnung von Hermann und Else Taubenberger trafen sich am Abend des 5.März 1933 mehrere deutsche Emigranten, unter ihnen Erich Wollenberg, Werner Rakow, Hans Schiff, Karl Schmidt und Erich Tacke. Bei der Diskussion über die Reichstagswahlen übten sie scharfe Kritik an der deutschen Parteiführung. Dieser Gesprächskreis wurde von einem Teilnehmer denunziert und Rakow und Wollenberg aus der KPdSU ausgeschlossen. Taubenberger mußte sich ebenfalls vor der IKK rechtfertigen und erhielt eine Rüge. Im August 1936 wurde er wegen »trotzkistisch-sinowjewistischer und anderer konterrevolutionärer Verbrechen gegen die Arbeiterklasse« aus der Partei ausgeschlossen.
 
 
 
Das ZK veröffentlichte (DVZ vom 11. Oktober 1936) den Ausschluß und die »Begründung«. Vom NKWD am 17.September 1936 verhaftet und vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR am 29. Mai 1937 wegen »Teilnahme an einer antisowjetischen terroristischen Organisation« zum Tode durch Erschießen verurteilt. Noch am gleichen Tag wurde Hermann Taubenberger erschossen. Am 21. Mai 1959 haben ihn sowjetische Justizorgane »posthum rehabilitiert«.

Seine Frau Else Taubenberger (* 24. 7. 1898) wurde am 11. August 1936 in Moskau festgenommen und am 1. Juni 1937 zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt. Später in der Verbannung in Magadan, dann als Freigelassene mit »Zwangsaufenthalt« in Viljandi/Estland. 1972 konnte sie in die Bundesrepublik ausreisen, wo sie im selben Jahr in München starb. Ihr Sohn Heinz Taubenberger (* 1915)(siehe PS), am 10. September 1937 vom NKWD verhaftet, wurde am 1. November wegen Verbindung zu Wollenberg zum Tode verurteilt und am 3. November 1937 in Butowo erschossen. Der Sohn Hermann Taubenberger jun. (* 1923) kam in ein NKWD-Kinderheim und ist verschollen. Die Taubenbergers hatten sich nach der Verhaftung von Anatol Becker und der bekannten Schauspielerin Carola Neher noch um deren Sohn Georg Becker (* 1934) gekümmert, der dann in ein NKWD-Lager für Waisenkinder kam und 1975 in die Bundesrepublik ausreisen konnte.
 

 

© Die Urheberrechte am Lexikon und aller seiner Teile liegen beim Karl Dietz Verlag. Die Weiterverwendung von Biographien oder Abschnitten daraus bedürfen der Zustimmung des Verlages. Redaktionsschluss: Mai 2008. Eine kontinuierliche Aktualisierung der Biographien kann von den Herausgebern nicht gewährleistet werden. Soweit bekannt, werden Sterbedaten in regelmäßigen Abständen nachgetragen. Änderungs- und Korrekturwünsche werden von den Herausgebern des Handbuches geprüft und ggfl. eingearbeitet (Mail an herbst@gdw-berlin.de).
 
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PS: Auszug aus dem Buch: „Verturteilt zur Höchststrafe-Tod durch Erschiessen“, Seite 149
 
„Zweimal ging es um »Nichtanzeige des konterrevolutionären Vaters« (Rudolf Margies jr., geb. 1917, Mitglied des Komsomol), bzw. um »Nichtanzeige der konterrevolutionären Verbindungen seines Vaters, Taubenberger H(ermann), zum Trotzkisten E(rich) Wollenberg« (Heinz Taubenberger, geb. 1915, im Ur-teil als »Sohn eines professionellen Revolutionärs« bezeichnet!)4. Beide wurden am 10. September 1937 verhaftet, für beide das Todesurteil am 1. Novem-ber 1937 gesprochen – da waren die Väter schon hingerichtet – beide, der eine 20-, der andere 22-jährig, am 3. November 1937 in Butovo erschossen.

 
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