Die 9 am 19. November 1937 in Leningrad zum Tode verurteilten deutschen AntifaschistInnen

16 Nov

Sie kamen aus Berlin, Schmiedeberg im Osterzgebirge, aus Brandenburg an der Havel, aus Jena, Kassel oder Neckarsulm. Sie waren zwischen 31 und 43 Jahren. Sie waren Schleifer, Heizer Fräser, Transportarbeiter, Deutschlehrerin oder Instrukteurin der medizinischen Verwaltung. Alle kamen sie aus Deutschland in die junge Sowjetunion, um beim „Aufbau der Sowjetmacht“ zu helfen. Alle wohnten zuletzt in Leningrad. Alle wurden sie am 19. November 1937 vor 76 Jahren zum Tode verurteilt und wenige Tage später erschossen.

Wer gedenkt ihrer an ihren Heimatorten? Wer erzählt ihre Lebensgeschichte, damit sich dieses Gräuel „im Namen des Sozialismus“ nie wiederholt?

1.

Beil, Otto (Vater Gustav), geb. 1895 in Schmiedeberg; Schleifer, wohnhaft in

Leningrad, ul. Polosova 17. Verhaftet am 6. November 1937; vom Staatsanwalt

und dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet am 19. November

1937 verurteilt, am 24. November 1937 erschossen. Bestattungsort Levas

ˇovo/Leningrad.

2.

Dobranitzkaja, Susanne (geb. Wansleben; Vater Philipp), geb. 1896 in Berlin,

1926-1930 KPD, 1930-1936 KPdSU; Deutschlehrerin, wohnhaft in Leningrad,

  1. Krasnoarmejskaja 1/33. Verhaftet am 16. Oktober 1937, vom Staatsanwalt

und dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet am 19. November

1937 zum Tode verurteilt, am 24. November 1937 erschossen. Bestattungsort

Levasˇovo/Leningrad.

3.

Ebner, Franz (Vater Karl), geb. 1894; Heizer, wohnhaft in Leningrad, proezd

Ogorodnikova 11/3. Verhaftet am 3. September 1937; vom Staatsanwalt und

dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet am 19. November 1937 zum Tode verurteilt, am 24. November 1937 erschossen. Bestattungsort Levasˇovo/Leningrad.

4.

Finger, Karl (Vater Karl), geb. in Brandenburg; Invalide, wohnhaft in Pusˇkin,

  1. Krasnoj Artilerii 20, Leningrader Gebiet. Verhaftet am 9. Juli 1937, vom

Staatsanwalt und dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet

am 19. November 1937 zum Tode verurteilt, am 24. November 1937 erschossen.

Bestattungsort Levasˇovo/Leningrad.

5.

Handwerk, Otto (Vater Otto), geb. 1905 in Jena, zuletzt Mitglied der KPdSU;

Fräser, wohnhaft in Leningrad, ul. Detskaja 3. Verhaftet am 4. November 1937,

vom Staatsanwalt und dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader

Gebiet am 19. November 1937 zum Tode verurteilt, am 24. November 1937 erschossen.

Bestattungsort Levasˇovo/Leningrad.

6.

Kisser, Rudolf (Vater Gustav), geb. 1906 in Polen; Invalide, wohnhaft in Leningrad,

  1. Kalinina 40/6. Verhaftet am 23. September 1937, vom Staatsanwalt

und dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet am 19. November

1937 zum Tode verurteilt, am 24. November 1937 erschossen. Bestattungsort

Levasˇovo/Leningrad.

7.

Kolberg, Elsa (Vater Heinrich), geb. 1898 in Kassel, 1924-1937 KPdSU, Instrukteurin

der medizinischen Verwaltung, wohnhaft in Toskovo, Leningrader

Gebiet. Verhaftet am 9. Juli 1937, vom Staatsanwalt und dem Chef der NKVD

Verwaltung für das Leningrader Gebiet am 19. November 1937 zum Tode verurteilt,

am 24. November 1937 erschossen. Bestattungsort Levasˇovo/Leningrad.

8.

Pischel, Wilhelm (Vater Wilhelm), geb. 1893 in Neckarsulm; Transportarbeiter,

wohnhaft in Leningrad, Malyj proezd 39. Verhaftet am 10. November 1936,

vom Militärtribunal des Leningrader Militärbezirks am 8. September 1937

zum Tode verurteilt, am 19. November 1937 erschossen. Bestattungsort Levasovo/Leningrad.

9.

Sannek, Otto (Vater August), geb. 1894 in Berlin; Dreher, wohnhaft in Leningrad,

  1. Detskaja 3. Verhaftet am 5. November 1937, vom Staatsanwalt und

dem Chef der NKVD-Verwaltung für das Leningrader Gebiet am 19. November

1937 zum Tode verurteilt, am 24. November 1937 erschossen. Bestattungsort

Levasˇovo/Leningrad.

Quelle: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Texte 27, Urlaub Lehner, Natalia Mussenko,

verurteilt zur Höchststrafe: Tod durch erschießen

Todesopfer aus Deutschland und deutscher Nationalität im großen Terror in der Sowjetunion 1937/1938

ISBN 3 – 320 – 02080 – 3

Karl Dietz Verlag Berlin GmbH 2006

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Eine Antwort to “Die 9 am 19. November 1937 in Leningrad zum Tode verurteilten deutschen AntifaschistInnen”

  1. Dr. Dietmar Barkusky 17. Mai 2016 um 20:05 #

    Otto Beil, ein Großonkel meiner Frau, wurde vergeblich von seiner Schwester, unserer Oma, gesucht. Ihr Sohn studierte zu DDR-Zeiten in Leningrad, wir studierten noch später, 1978 bis 1983, in Moskau. Recherchen zum Verbleib von Otto wurden untersagt. Erst 1999 erfuhren wir über das Neue Deutschand darüber, was mit Otto Beil geschah. Sein Schicksal bewegt uns sehr, noch dazu bedingt durch unser Studium, dass uns Russland sehr nahe gebracht hat und uns quasi zur zweiten Heimat werden ließ. Im Juni 2016 werden wir Luwaschowo besuchen. Es wäre schön, könnten wir über die Nachfahren von Otto Beil erfahren, der eine Russin zur Frau nahm und mit ihr Kinder hatte. Für Hinweise wären wir dankbar.

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