Alfred Schmidt (* 24. November 1891; † 9. Oktober 1985

27 Nov

Aus Wikipedia:

Alfred Schmidt (* 24. November 1891 in Wintersdorf; † 9. Oktober 1985 in Frankfurt/Main) war ein kommunistischer Politiker und Gewerkschafter.

Alfred Schmidt war eines von zwölf Kindern eines Schuhmachers. Im Alter von 17 Jahren trat er in die Gewerkschaft ein, ein Jahr später folgte der Eintritt in die SPD. Er konnte keinen Beruf erlernen, da seine Familie das Lehrgeld nicht aufbringen konnte. So war er zunächst ungelernter Arbeiter in einer Brauerei, anschließend Rangierer bei der Bahn. Von 1912 bis 1918 war er Soldat, davon vier Jahre an der Front. Er schloss sich dem Spartakusbund an und wurde 1917 Mitglied der USPD. 1919 trat er der Eisenbahnergewerkschaft und der KPD bei. Wegen seiner illegalen Parteiarbeit nach dem Verbot der KPD verbrachte er zweieinhalb Jahre in Haft. Von 1924 bis 1928 war er Landtagsabgeordneter in Thüringen, Vorsitzender der KPD in Erfurt, Mitglied der Unterbezirksleitung und Stadtverordneter.

1928 wurde er für die KPD in den preußischen Landtag gewählt. Schmidt opponierte gegen die neue ultralinke Politik der KPD. Er bekämpfte die RGO-Politik und engagierte sich für die Einheitsfront von Kommunisten und Sozialdemokraten gegen den Nationalsozialismus. Im Dezember 1928 folgte sein Ausschluss aus der KPD. Er trat daraufhin der Kommunistischen Partei-Opposition bei, in der er Mitglied der Bezirks- und der Reichsleitung wurde. Trotz seines Ausschlusses aus der KPD behielt er sein Mandat bis zur Neuwahl des Landtages im Jahr 1932.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 leitete Alfred Schmidt die illegale Arbeit im Erfurter Unterbezirk. 1934 wurde er erstmals verhaftet und verbrachte zwei Monate im Gefängnis. Vom August 1935 bis Mai 1939 folgte eine erneute Inhaftierung in den Konzentrationslagern Esterwegen (im norddeutschen Moor) und Sachsenhausen. Später nahm Schmidt erneut Verbindung mit Otto Engert und dessen Gruppe auf und organisierte 1943/44 u. a. mit Georg Schumann eine Widerstandsgruppe in Leipzig, deren Plattform er gemeinsam mit seinen KPO-Genossen verfasste. Sie waren „alte“ Kommunisten und lehnten den neuen Kurs der KPD ab, die (neu orientiert) eine Volksfront mit den demokratischen Teilen der deutschen Bourgeoisie anstrebte. Seinen Lebensunterhalt verdiente Schmidt nach der KZ-Internierung als Kohlenträger und Bauarbeiter.

1945 gehörte er zu denen, die von der ersten Stunde an den Sozialismus aufbauen wollten. Schmidt wurde wieder Mitglied der KPD und nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD 1946 Mitglied der SED. Am 1. November 1945 wurde er zum Landesleiter derGewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten gewählt. Jedoch folgten bald erste Repressionsmaßnahmen gegen ehemalige Mitglieder der KPD-O, die auch als „Brandleristen“ bezeichnet wurden. Wegen seiner offenen Kritik an den Methoden der sowjetischen Besatzung wurde Alfred Schmidt am 31. August 1947 abgesetzt, aus der SED ausgeschlossen und am 6. Juli 1948 von der sowjetischen Militärpolizei verhaftet. Das Wirken der Parteikontrollgremien führte „wegen antisowjeischer Propaganda“ am 2. Dezember 1948 zu Schmidts Verurteilung zum Tode durch ein sowjetisches Militärtribunal. Dieses Todesurteil wurde dann auf 25 Jahre Arbeitslager „gemildert“, Schmidt verbüßte seine Strafe zuerst in der SMT-Strafvollzugsanstalt in der Justizvollzugsanstalt Bautzen und wurde danach in die Sowjetunion gebracht.

Alfred Schmidt hatte 1945/46 gehofft, die Führung der SED hätte aus den Fehlern der KPD aus der Zeit vor 1933 gelernt und würde mit den Werktätigen ein sozialistisches Deutschland aufbauen, das dann der Sowjetunion in „proletarischer Solidarität“ beim Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Deutsch-Sowjetischen Kriegs helfen könnte. Er ging davon aus, dass dies nur möglich wäre, wenn die Fabriken nicht demontiert würden und die Werktätigen genügend zum Essen hätten. Diese Vorstellungen widersprachen Stalins Besatzungspolitik.

Nach über acht Jahren Haft wurde er – infolge des Chruschtschowschen Tauwetters (M.O.: und des Adenauer-Besuchs) – am 25. Juli 1956 in die Bundesrepublik Deutschland entlassen. Dort traf Schmidt seine Frau wieder, die 1954 die DDR verlassen hatte. Er fand Arbeit in den Werken Salzgitter und begann wieder politisch in der Gruppe Arbeiterpolitik mitzuarbeiten.

In Bautzen hatte er Schwierigkeiten mit antikommunistischen Mithäftlingen, weil er sich auch in der Haft als Kommunist bekannte. Daher wurde er nach der Übersiedlung in die Bundesrepublik von einem ehemaligen Mithäftling denunziert, mit dem Hinweis, Schmidt sei durchaus imstande, für die Staatssicherheit der DDR und den KGB geheimdienstlich zu arbeiten. Er wurde deswegen mehrmals verhört, doch das Verfahren gegen ihn wurde vom Generalbundesanwalt am 19. Januar 1959 eingestellt. Schmidt blieb weiterhin Kommunist. Seine letzten Jahre verlebte er in einem Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt/Main.

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Und ein Artikel anlässlich seines 130. Geburtstages

Auch einen Monat nach seinem 120. Geburtstag erinnert sich die Linke seiner nicht: dem in Frankfurt 1985 gestorbenen Alfred Schmidt – zu dem Namen fällt manchen nur der Adorno/Horkheimer-Schüler gleichen Namens ein, ein seit 1999 emeritierte Professor in Frankfurt am Main. Jener Alfred Schmidt fehlt auch im „Lexikon linker Leitfiguren“, das Edmund Jacoby 1988 für die Büchergilde Gutenberg herausgab.

„Mein“ Alfred Schmidt, geboren am 24. November 1891, war ein kommunistischer Politiker und Gewerkschafter (VSA-Buchumschlag-Foto links: mittlere Bildreihe, zweiter von rechts). Nur an entlegener Stelle, in „Leipzigs Neue“ (jetzt nachgedruckt in „Arbeiterstimme“) war eine knappe Würdigung zum Hundertzwanzigsten zu finden.

Ich, Sohn eines Thüringer Schuhmachers, der ebenfalls noch in den neunziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts geboren war, sah in Schmidt einst einen Wunsch-Ersatzvater. Mein früh verstorbender Vater war nach Teilnahme am Ersten Weltkrieg, den er blutjung in französischen Stahlgewittern (kriegsversehrt) überlebte, in Eisenach auf der Rechten engagiert; Schmidt, ebenfalls Kind eines Schuhmachers, trat in Thüringen schon als Jugendlicher Gewerkschaft und SPD bei. Wie mein Vater arbeitete er vorübergehend als Bahnarbeiter. Aber Schmidt war links engagiert, in Spartakusbund, USPD und KPD, was ihm schon früh über zwei Jahre Haft bescherte. Von 1924 bis 1928 war er Landtagsabgeordneter in Thüringen, Vorsitzender der KPD in Erfurt, Mitglied der Unterbezirksleitung und Stadtverordneter. 1928 wurde er für die KPD in den preußischen Landtag gewählt. Wegen seiner Opposition gegen die ultralinke KPD-Politik, die für die „Revolutionäre Gewerkschaftsopposition“ und gegen die „Sozialfaschisten“ der SPD, angeblich gefährlichere Leute als die Nazis, agitierte, wurde er schon im Dezember desselben Jahres aus der KPD ausgeschlossen. In der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) avancierte er zum Mitglied von Bezirks- und Reichsleitung und nahm als deren Vertreter sein Landtagsmandat bis 1932 wahr. Zu der Zeit wirkte mein Vater in der National-Sozialistischen Kriegsopfer-Versorgung.

Es war am 3. September 1981, als ich Alfred Schmidt in Frankfurt in der Wegscheidestraße 21 zum ersten Mal besuchte – anfangs redeten wir, obwohl aktuelle soziale Bewegungen uns zusammengeführt hatten, nur über Vergangenes: über das Leben Alfred Schmidts. Das war so faszinierend, daß das Treffen am 1. Oktober 1981 von 16 bis 21 Uhr dauerte – bis der alte Genosse seine Ruhe brauchte und mich rücksichtslos-neugierigen Jungen freundlich nach Hause schickte, auf weitere Treffen vertröstend. Für eine Weile wurden daraus vierzehntägige, manchmal monatliche Treffen (mit anderen), fast immer donnerstags, und dann zu aktuellen Themen wie „Friedensbewegung“ oder „Arbeiterbewegung Solidarność in Polen“ oder seinen Schreibmaschinentexten.

Hätte ich damals ahnen können, daß ein Jahrzehnt Deutschland wieder vereinigt sein und ich selbst in Jena landen würde, so hätte unser Gespräch über Schmidts Jenaer Treffen mit Karl Korsch („ach ja, der wirre Professor“) noch viel länger gedauert…

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 leitete Alfred Schmidt die illegale Arbeit im Erfurter Unterbezirk. 1934 erste, 1935/1939 erneute Inhaftierung in den KZ Esterwegen und Sachsenhausen. 1943/44 organisierte er mit Georg Schumann den Widerstand in Leipzig, als Kohlenträger und Bauarbeiter arbeitend. 1945 wieder KPD-Mitglied, ab1946 SED. Am 1. November 1945 Landesleiter der Gewerkschaft „Nahrung, Genuß und Gaststättengewerbe“ und Zweiter Vorsitzenden dieser Gewerkschaft in der SBZ. (Vielleicht würdigt die NGG Thüringen ihn jetzt wenigstens auf ihrer Homepage – ich biete diesen Artikel an.) Wegen Kritik an der sowjetischen Besatzungs- und Reparationspolitik am 31. August 1947 abgesetzt, aus der SED ausgeschlossen und Tage später, am 6. Juli 1948, von der sowjetischen Militärpolizei verhaftet. Wegen „antisowjetischer Propaganda“ am 2. Dezember 1948 durch ein sowjetisches Militärtribunal zum Tode verurteilt. Später wurde das Todesurteil umgewandelt in die Strafe 25 Jahre Arbeitslager – so kam Schmidt ins „Vaterland aller Werktätigen“.

Mit Alfred Schmidt saß mir jemand gegenüber, den „seine Genossen“ schärfer bestraft hatten als er je für seine kommunistische Tätigkeit in der Weimarer Republik UND unter Hitler belangt worden war. Drei Regime hatten dem Freiheitskämpfer über 15 Jahre seiner Freiheit, seines Lebens geraubt. Die Entstalinisierung auf dem XX. Parteitag der KPdSU brachte auch ihm die Freiheit: Nach über acht Jahren Haft wurde er 1956 entlassen – in die Bundesrepublik Deutschland, zu seiner Frau, die 1954 die DDR verlassen hatte. Er arbeitete in den Salzgitter-Hüttenwerken und kämpfte weiterhin für Freiheit und soziale Emanzipation, seinen alten Idealen treu. Sein Zuhause, wo ich ihn in den Achtzigern traf, hatte er nach der Verrentung im „roten Hessen“ gefunden, im Milieu der Sozialdemokratie: ein Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Frankfurt-Preungesheim.

Irgendwann schenkte Alfred mir die von Wolfgang Benz und Hermann Graml herausgegebenen Erinnerung von Curt Geyer: „Die revolutionäre Illusion – Zur Geschichte des linken Flügels der USPD“ (Stuttgart 1976); ein für mich wegweisendes, desillusionierendes Buch – mit den Anstreichungen Alfred Schmidts.

 

 

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