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Felix Halle, der Chef-Jurist der KPD, 1937 in Moskau erschossen

8 Dez
Am 1. Mai 1884 in Berlin-Tiergarten geboren, Sohn eines jüdischen Kaufmanns. 1902 bis 1905 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, Promotion. Nach Beendigung seines Studiums lebte er in Berlin als Schriftsteller und gründete 1913 den Neuen Deutschen Verlag, den er 1924 Willi Münzenberg verkaufte. 1912 hatte er sich der SPD angeschlossen, während des Krieges trat er 1917 zur USPD über, für die er nach Gründung des Pressedienstes juristischer Mitarbeiter wurde. Im November 1918 durch die Volksbeauftragten für Kultur Adolph Hoffmann (USPD) und Konrad Haenisch (SPD) Berufung zum Professor an die juristische Fakultät der Berliner Universität, an der er jedoch nur kurz lehrte.
Halle, der dem linken Flügel der USPD angehörte und für die Vereinigung mit der KPD eintrat, reiste Ende 1920 nach Sowjetrußland und arbeitete bis April 1921 als Mitglied des Wissenschaftskollegiums beim Volkskommissariat für Justiz. Im Frühjahr 1921 kehrte Halle nach Deutschland zurück und wurde Hauptberater der KPD in juristischen Fragen, von 1922 bis 1926 war er Syndikus der Juristischen Zentralstelle der kommunistischen Reichstags- und Landtagsfraktion. 1927 leitete er zugleich die Juristische Zentralstelle der Roten Hilfe.
 
Halle verfaßte mehrere Schriften, darunter »Wie verteidigt sich der Proletarier in politischen Strafsachen vor Polizei, Staatsanwaltschaft und vor Gericht« und wurde zum wichtigsten theoretischen Mitarbeiter der RHD. Da er dem Staatsgerichtshof angehörte, führte er zähe Verhandlungen mit den Justizministern der Weimarer Kabinette, wie Eugen Schiffer und Gustav Radbruch. Auch in seiner eigenen Partei hatte er Probleme, soll innerhalb der Juristischen Zentralstelle antisemitischen Ausfällen ausgesetzt gewesen sein. Halles Bemühungen um ein Reichstagsmandat schlugen fehl. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde er verhaftet, aber Ende März entlassen. Am 2. April 1933 emigrierte er mit seiner Ehefrau Ruth über Prag nach Paris, 1934 nach Moskau, wo Halle am Institut für Kriminalistik arbeitete. Im Januar 1935 in die Schweiz entsandt, um im Auftrag der Komintern die Auslieferung Heinz Neumanns an NS-Deutschland zu verhindern. Als die Komintern 1936 eine unter Leitung von Bela Kun stehende Kommission zur Verteidigung Ernst Thälmanns bildete, fuhr er nach Paris, um unter dem Dach des von Willi Münzenberg geleiteten »Thälmann-Komitees« die juristische Vorbereitung der Verteidigung Ernst Thälmanns zu koordinieren. Der 1936/37 von Halle erarbeitete »Bericht über die Anklageschrift des Reichsanwalts in Sachen des Genossen Ernst Thälmann« sowie seine »Bemerkungen zur Taktik der Verteidigung« fanden zunächst die ungeteilte Zustimmung der »Kun-Kommission« sowie der KPD-Führer in Paris und Moskau.
 
Am 3. März 1936 von der Hitler-Regierung ausgebürgert, reiste Felix Halle mit seiner Frau Anfang 1937 mit einem Paß, der ihn als den Schweizer Staatsangehörigen Otto Wiess legitimierte, erneut in die Sowjetunion. Wilhelm Florin hatte zuvor jedoch schon handschriftlich vermerkt: »Vorsichtig betrachten, da Halle als Feind entlarvt ist.« Am 5.August 1937 wurde er vom NKWD verhaftet und am 25.August aus der KPD ausgeschlossen. Babette Gross, die Lebensgefährtin Willi Münzenbergs, hat überliefert, daß Mitgefangene im Moskauer Butyrka-Gefängnis Felix Halle aufforderten, nun eine Broschüre zu schreiben, wie sich ein deutscher Proletarier vor dem sowjetischen Gericht zu verteidigen hätte. Bereits nach dreimonatiger Haft vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der UdSSR wegen »Teilnahme an einer konterrevolutionären trotzkistischen Verschwörung« angeklagt und am 1. November 1937 zum Tode verurteilt. Felix Halle wurde am 3. November 1937 in Butowo, in der Nähe von Moskau, erschossen. Seine Frau Ruth (* 15. 1. 1886), geborene Kamvich, hatte sich völlig verzweifelt bereits am 11. Oktober 1937 das Leben genommen. Über Felix Halle erschien 1997 von Josef Schwarz die Schrift: »Zu Unrecht vergessen«.

Wikipedia nennt den 8.12.1937 als Tag der Exekution.
Aussergewöhnlich: die Linkspartei, Berlin-Pankow erinnert auf ihrr Webseite an Felix Halle
 

Remmele, Hermann, geb. 15.11.1880, erschossen 7.3.1939

7 Mrz
 
Hermann Remmele war Sohn eines Müllers und Bruder des späteren Staatspräsidenten von Baden, Adam Remmele. Remmele besuchte in Ludwigshafen die Volksschule und absolvierte dort anschließend eine Lehre als Eisendreher. Nach den Wanderjahren arbeitete er bis zum Kriegsausbruch 1914 im erlernten Beruf. Remmele war ab 1897 Mitglied der SPD und des Deutschen Metallarbeiterverbandes. In den Jahren 1901 bis 1914 war er ehrenamtlicher Bevollmächtigter bzw. Vorstandsmitglied der Gewerkschaft im Bereich Mannheim, Darmstadt und Offenbach am Main. Außerdem engagierte er sich führend im Verband junger Arbeiter in Mannheim und absolvierte 1907/08 einen Kurs der zentralen Parteischule der SPD in Berlin. Daneben war Remmele ehrenamtlich für einige sozialdemokratische Blätter als Autor tätig.
 
Seit 1914 war Remmele Soldat im Ersten Weltkrieg. Im Jahr 1917 war er Mitbegründer der USPD. Während der Novemberrevolution war er Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrates in Mannheim. Er gehörte im Februar 1919 zu den Mitinitiatoren der Räterepublik in Mannheim. Im selben Jahr wurde er USPD-Bezirkssekretär für Baden und die Pfalz. Danach bis 1920 war er in derselben Position in Württemberg tätig. Daneben spielte er eine führende Rolle im linken Flügel der Partei auch auf Reichsebene.
Zusammen mit einem Teil der Partei trat Remmele 1920 zur KPD (damals noch VKPD) über. Er war dann von 1920 bis 1933 Mitglied des Zentralkomitees der KPD und 1924 kurzzeitig ihr Vorsitzender. Von 1923 bis 1926 war er außerdem Redakteur des Parteiorgans Die Rote Fahne. Reichstagsabgeordneter war er von 1920 bis 1933. Seit 1930 war er Vorsitzender des Kampfbundes gegen den Faschismus. Remmele war ab 1926 Mitglied des Exekutivkomitees der Komintern (EKKI). Von 16 Mitgliedern des Polbüros, des obersten KPD-Organs, des Jahres 1924 waren 1929 nur noch Remmele und Ernst Thälmann im Amt.
Remmele lebte seit August 1932 in Moskau. Nachdem er gemeinsam mit Heinz Neumann bei fraktionellen Auseinandersetzungen innerhalb der KPD unterlegen war, schied er im Oktober 1932 aus dem Sekretariat des ZK der KPD aus. Im November 1933 wurde er zudem aus dem ZK der KPD und dem Politbüro ausgeschlossen und gezwungen, seine Funktionen im EKKI niederzulegen.
Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde ihm im März 1934 die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt.
Remmele war verheiratet, aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Im Jahr 1937 wurden er, seine Frau Anna und sein Sohn Helmut Remmele (1910-1938), ehemals Mitglied des ZK des Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands, im Rahmen stalinistischer Säuberungen verhaftet. Am 7. März 1939 wurde Remmele zum Tode verurteilt und erschossen. Ein sowjetisches Gericht rehabilitierte ihn 1988.
 
↑ Hermann Weber: Kommunistische Bewegung und realsozalistischer Staat. Beiträge zum deutschen und internationalen Kommunismus, herausgegeben von Werner Müller. Bund-Verlag, Köln 1988, S. 166/168.
 
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