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Wilhelmine Müller-Slavutzkij, geb, 27.6.1905, gest. 12.11.2005 (an Kurt Müllers Stelle ins Gulag verbannt)

25 Jun
Vor 108 Jahren wurde sie geboren. Nach meinem ersten Besuch bei der Berliner Gruppe von Memorial wurde ich auf die Biografie aufmerksam gemacht, die ich nicht kannte.
 
Kurt Müller, der als stellvertretender KPD-Vorsitzender im Westdeutschland der Nachkriegszeit durch einen Lokanruf seines Vorsitzenden Max Reimann nach Ostberlin gelotst, und nach Sibiren verschleppt wurde, wäre schon 15 Jahre vorher erschossen worden, wenn er im Zugriffbegreich Stalins gelebt hätte. Stattdessen griff man sich seine Frau, die 12 Jahre ihres Lebens nicht nach Moskau zurückkheren kann, und erst 39 Jahre später im Jahr 1975 auf Vermittlung von Heinrich Böll, ihren früheren Ehemann, Kurt Müller, der auf Vermittlung von Konrad Adenauer (!!) 1955 die UdSSR verlassen kann nd längst in der SPD aktiv ist, wieder tritfft. Unvorstellbare Menschenschicksale!
 
 
27.06.1905
Geb. in Riga.
1916-1920er Jahre
Beeinflussung durch ihre Tante, die in revolutionären Kreisen verkehrt. Aktivität in revolutionären Kreisen.
1927-1929
Arbeit in der Profintern (Internationale der Gewerkschaften), dann in der KIJ (Kommunistische Internationale der Jugend).
1929
Reise nach Berlin. Arbeit im WEB – Westeuropa-Büro der Komintern – bei Georgi Dimitrow. Begegnung mit Kurt Müller.
1929/1930
Heirat mit Kurt Müller.
April 1929
Mitgliedschaft in der KPD.
1930-1932
Chemiestudium, zugleich Arbeit im WEB.
1932
Rückkehr nach Moskau (zu Kurt Müller).
1933
Folgt Kurt Müller nach Gorki, wohin er strafversetzt wurde.
1934
Rückkehr nach Moskau (Kurt Müller wurde inzwischen mit einem Parteiauftrag nach Deutschland geschickt). Wohnt im Hotel „Sojusnaja“ (gegenüber dem Hotel Lux).
1934-1936
Arbeit in der Komintern in Moskau. Reise nach Dänemark, dort u. a. Begegnung mit der Mutter Kurt Müllers, der inzwischen in Deutschland verhaftet worden ist.
10.03.1936
Verhaftung im Hotel „Sojusnaja“.
1936-1939
Untersuchungshaft in der Lubjanka und Butyrka. Vorwurf trotzkischer Tätigkeit. (Der Vorwurf ist vor allem gegen ihren Mann Kurt Müller gerichtet, auf den die Organe keinen Zugriff haben). Verurteilung zu acht Jahren Haft.
1939-1946
Strafverbüßung in Lagern in Kasachstan und in Ustwymlag. Dort Bekanntschaft mit dem späteren Ehemann Naum Slavutzkij. 1944 wird sie – als deutsche Staatsbürgerin – nach Ablauf der Haftzeit nicht freigelassen.
Februar 1946
Verspätete Entlassung aus der Haft. Aufenthaltsverbot für größere Städte. Lebt gemeinsam mit Naum Slavutzkij in der Komi ASSR.
 
1948/49
Reise nach Moskau, um eine Rehabilitierung zu erreichen, nachdem sie erfahren hat, dass Kurt Müller lebt und in Westdeutschland als KPD-Funktionär tätig ist. Mit der Verhaftung Kurt Müllers in der DDR im März 1950 wird diese Hoffnung hinfällig.
1955
Rückkehr nach Moskau. Rehabilitierung.
1955-1991
Lebt mit Naum Slavutzki in Moskau. In den 70er und 80er Jahren beteiligt an Verwaltung und Verteilung des von Alexander Solschenizyn eingerichteten Hilfsfonds für politische Gefangene in der Sowjetunion.
1975
Reise über Deutschland nach Frankreich. Besuch bei Heinrich Böll, der eine Wiederbegegnung mit Kurt Müller vermittelt.
Februar 1986
Haussuchung. Beschlagnahme umfangreicher Literaturbestände.
1991
Übersiedlung nach Köln.
12.11.2005
Tod in Köln.
 
 
Biographie: Vera Ammer
 
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