Tag Archives: Kurt Müller

Fritz Sperling (* 11. Oktober 1911 in Algringen; † 21. April 1958)

18 Apr
Vor 56 Jahren starb an den Folgen der jahrelangen Haft und Folter in MfS- Gefängnissen, der ehemalige antifaschistische Widerstandskämpfer und spätere stellvertretende KPD-Vorsitzende Fritz Sperling.
1911 in Algringen (Lothringen) geborene Sperling wuchs als Sohn eines Bergarbeiters im Ruhrgebiet auf. Nach Abschluss der Volksschule in Duisburg erlernte er den Beruf des Buchhalters. Zunächst in der sozialdemokratischen Arbeiterjugend aktiv, trat er 1931 dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) und 1932 der KPD bei. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Sperling am 2. März 1933 verhaftet und für mehrere Monate in Schutzhaft genommen. Nach seiner Freilassung setzte er seine Aktivitäten gegen die NS-Diktatur, teilweise auch aus dem europäischen Ausland, fort. 1935 begab er sich mit seiner damaligen Freundin Elvira Nieper nach Moskau, um eine Ausbildung der Kommunistischen Internationale an der Lenin-Schule zu absolvieren. Seinen 1937 geborenen Sohn Ernst ließ er nach seiner Ausbildung in einem Kinderheim in Iwanowo zurück und emigrierte in dieSchweiz. Dort setzte er seine Arbeit für die KPD fort und brachte unter anderem Flugblätter nach Süddeutschland.
Er beteiligte sich an der Gründung der „Bewegung Freies Deutschland“. Infolge von Ermittlungen gegen Jakob Hug und Susanne Schülewurden die Schweizer Ermittler auch auf Fritz Sperling aufmerksam. 1941 wurde er wegen „fortgesetzter kommunistischer Tätigkeit und Propaganda“ verhaftet und interniert. Bis zum Frühjahr 1943 verblieb er in Einzelhaft. Die vorgesehene Abschiebung nach Deutschland wurde aufgrund der ihm dort drohenden Todesstrafe nicht in die Tat umgesetzt. Stattdessen musste Sperling im Sonderlager für Linksextremisten in Gordola (Tessin) arbeiten.
Kurz nach der deutschen Kriegsniederlage, im Juli 1945, kehrte Sperling nach Deutschland zurück und wurde KPD-Landesvorsitzender in Bayern. Der 15. KPD-Parteitag im April 1946 delegierte Sperling neben elf weiteren Spitzenfunktionären (u. a. Kurt Müller, Walter Fisch, Max Reimann und Albert Buchmann) in den Parteivorstand der SED. Er – wie auch die anderen elf – mussten auf Anordnung der westlichen Besatzungsmächte jedoch wieder ausscheiden, da die SED im Westen nicht zugelassen war.[1] 1947 heiratete er Lydia Hug, die er im Schweizer Exil kennengelernt hatte. Mit der Bildung des KPD-Parteivorstandes im April 1948 wurde er eines der fünf Sekretariatsmitglieder. Als solcher begrüßte er anfangs die aus Moskau gesteuerten parteiinternen Säuberungen im Zuge der Noel-Field-Affäre. Nach der Verhaftung Kurt Müllers wurde er 1950 dessen Nachfolger als stellvertretender KPD-Vorsitzender. Infolge während der Haft in Internierungslagern erlittener Gesundheitsschäden sollte Sperling im Regierungskrankenhaus der DDR auf Einladung der SED behandelt werden. In Berlin wurde er 1951 im Auftrag der SED seines Postens im Parteivorstand enthoben, verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis der Staatssicherheit in Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Ein ordentlicher Haftbefehl erfolgte erst am 17. April 1953. In Hohenschönhausen wurde Sperling sowohl vom KGB als auch vom MfS Tag und Nacht verhört und unter Einsatz von Foltermethoden zu einem falschen Geständnis gezwungen. Anschließend wurde er ins Stasi-Gefängnis nach Berlin-Lichtenberg verlegt. Nach zweieinhalbjähriger Untersuchungshaft wurde er am 18. März 1954 vom Obersten Gericht der DDR als „Kriegsverbrecher, Faschist und Agent“ wegen „Verbrechen gegen den Frieden“ zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. Diese saß er ab Mai 1954 im Zuchthaus Brandenburg ab.
Unmittelbar nach dem XX. Parteitag der KPdSU im Frühjahr 1956 wurde Sperling begnadigt, jedoch nicht rehabilitiert und durfte die DDR nicht verlassen. In Briefen an die SED-Führung forderte er vergeblich seine Rehabilitierung sowie die Bestrafung der Verantwortlichen für seine Behandlung. Die KPD stufte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als unzutreffend ein, ohne dies jedoch zu publizieren. Er wurde erst 1990 durch den Parteivorstand der PDS rehabilitiert.
Zwei Jahre nach seiner Freilassung starb Fritz Sperling im Alter von 46 Jahren an den Folgen seiner Haft. Er wurde auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde begraben.
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Wilhelmine Müller-Slavutzkij, geb, 27.6.1905, gest. 12.11.2005 (an Kurt Müllers Stelle ins Gulag verbannt)

25 Jun
Vor 108 Jahren wurde sie geboren. Nach meinem ersten Besuch bei der Berliner Gruppe von Memorial wurde ich auf die Biografie aufmerksam gemacht, die ich nicht kannte.
 
Kurt Müller, der als stellvertretender KPD-Vorsitzender im Westdeutschland der Nachkriegszeit durch einen Lokanruf seines Vorsitzenden Max Reimann nach Ostberlin gelotst, und nach Sibiren verschleppt wurde, wäre schon 15 Jahre vorher erschossen worden, wenn er im Zugriffbegreich Stalins gelebt hätte. Stattdessen griff man sich seine Frau, die 12 Jahre ihres Lebens nicht nach Moskau zurückkheren kann, und erst 39 Jahre später im Jahr 1975 auf Vermittlung von Heinrich Böll, ihren früheren Ehemann, Kurt Müller, der auf Vermittlung von Konrad Adenauer (!!) 1955 die UdSSR verlassen kann nd längst in der SPD aktiv ist, wieder tritfft. Unvorstellbare Menschenschicksale!
 
 
27.06.1905
Geb. in Riga.
1916-1920er Jahre
Beeinflussung durch ihre Tante, die in revolutionären Kreisen verkehrt. Aktivität in revolutionären Kreisen.
1927-1929
Arbeit in der Profintern (Internationale der Gewerkschaften), dann in der KIJ (Kommunistische Internationale der Jugend).
1929
Reise nach Berlin. Arbeit im WEB – Westeuropa-Büro der Komintern – bei Georgi Dimitrow. Begegnung mit Kurt Müller.
1929/1930
Heirat mit Kurt Müller.
April 1929
Mitgliedschaft in der KPD.
1930-1932
Chemiestudium, zugleich Arbeit im WEB.
1932
Rückkehr nach Moskau (zu Kurt Müller).
1933
Folgt Kurt Müller nach Gorki, wohin er strafversetzt wurde.
1934
Rückkehr nach Moskau (Kurt Müller wurde inzwischen mit einem Parteiauftrag nach Deutschland geschickt). Wohnt im Hotel „Sojusnaja“ (gegenüber dem Hotel Lux).
1934-1936
Arbeit in der Komintern in Moskau. Reise nach Dänemark, dort u. a. Begegnung mit der Mutter Kurt Müllers, der inzwischen in Deutschland verhaftet worden ist.
10.03.1936
Verhaftung im Hotel „Sojusnaja“.
1936-1939
Untersuchungshaft in der Lubjanka und Butyrka. Vorwurf trotzkischer Tätigkeit. (Der Vorwurf ist vor allem gegen ihren Mann Kurt Müller gerichtet, auf den die Organe keinen Zugriff haben). Verurteilung zu acht Jahren Haft.
1939-1946
Strafverbüßung in Lagern in Kasachstan und in Ustwymlag. Dort Bekanntschaft mit dem späteren Ehemann Naum Slavutzkij. 1944 wird sie – als deutsche Staatsbürgerin – nach Ablauf der Haftzeit nicht freigelassen.
Februar 1946
Verspätete Entlassung aus der Haft. Aufenthaltsverbot für größere Städte. Lebt gemeinsam mit Naum Slavutzkij in der Komi ASSR.
 
1948/49
Reise nach Moskau, um eine Rehabilitierung zu erreichen, nachdem sie erfahren hat, dass Kurt Müller lebt und in Westdeutschland als KPD-Funktionär tätig ist. Mit der Verhaftung Kurt Müllers in der DDR im März 1950 wird diese Hoffnung hinfällig.
1955
Rückkehr nach Moskau. Rehabilitierung.
1955-1991
Lebt mit Naum Slavutzki in Moskau. In den 70er und 80er Jahren beteiligt an Verwaltung und Verteilung des von Alexander Solschenizyn eingerichteten Hilfsfonds für politische Gefangene in der Sowjetunion.
1975
Reise über Deutschland nach Frankreich. Besuch bei Heinrich Böll, der eine Wiederbegegnung mit Kurt Müller vermittelt.
Februar 1986
Haussuchung. Beschlagnahme umfangreicher Literaturbestände.
1991
Übersiedlung nach Köln.
12.11.2005
Tod in Köln.
 
 
Biographie: Vera Ammer
 
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