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Angela Rohr, (* 5. Februar 1890 in Znaim, Mähren; † 7. April 1985 in Moskau

30 Jun
 
Angela Rohr, geboren 1890, gestorben 1985 in Moskau, ist für mich eine Symbolfigur, warum es einen Grundbedürfnis menschliche Zivilisation sein muß, an die Millionen Opfer sowjetischer Gulags zu erinnern. Sie war befreundet mit Rainer Maria Rilke, beschreibt begeistert wie sie Lenin bei der Abreise aus Zürich die Hand reichte, erhält ein Stipendium von Siegmund Freud zur Heilung ihrer lebensbedrohlichen Tuberkulose, übersiedelt mit ihrem dritten Mann dem KPD-Mitglied Wilhelm Rohr nach Moskau, berichtet von dort literarisch beachtliche und authentische Artikel über die junge Sowjetunion, wird wie so viele Deutsche nach dem Überfall Hitlers auf die Sowjetunion verhaftet, ihr Mann stirbt schnell im Lager, Bertolt Brecht setzt sich erfolglos für ihre Freilassung ein, sie überlebt nur weil sie Ärztin ist. Im Schriftwechsel und einer Begegnung mit dem Präsident des sowjetischen Schriftstellerverbandes, Fedien, setzt sie sich erfolglos für die Veröffentlichung ihrer Literatur ein, bleibt bis zu deren Tod freundschaftlich verbunden mit Sonja Liebknecht, der Witwe von Karl Liebknecht. Und stirbt wenige Jahre vor der Perestroika, 1985 einsam, aber nicht verbittert in Moskau.
Der SPIEGEL schrieb am 21.06.2010 über sie
Das Nagelbrett der Revolution
Von Schmitter, Elke
Ein Jahrhundertleben und ein Jahrhundertwerk: Die Dichterin Angela Rohr war eine Bohemienne des frühen 20. Jahrhunderts und literarische Zeugin des sowjetischen Gulag. Nun wird sie 25 Jahre nach ihrem Tod endlich entdeckt. Von Elke Schmitter
Am 29. Mai 1941 schreibt der Genosse Brecht einen Brief. Auf dem Weg ins amerikanische Exil macht er in Moskau Station und erinnert sich freundlich der Frau, die ihn sechs Jahre zuvor in dieser Stadt, als er grippekrank daniederlag, medizinisch behandelt hat. „Lieber Genosse Fedin“, heißt es auf dem Brecht-typischen feinen Durchschlagpa-pier in der Notiz an den kulturpolitisch mächtigen Schriftsteller Konstantin Fedin über „Genosse Angela Rohr“, sie „möchte Ihnen gerne begegnen und Ihren Rat hören. Bitte, helfen Sie ihr doch so gut Sie können! Mit herzlichen Grüßen Ihr Bertolt Brecht“.
Es herrscht, auch nach der „Großen Säuberung“, immer noch Terror in der Sowjetunion. Nächtlich klopft es an Türen, und dahinter sitzen Männer und Frauen, in Angstschweiß gebadet und oft einen kleinen Koffer neben sich. Sie haben noch am Tag zuvor als Parteisekretär, als Lehrerin oder Ingenieur ihren Dienst für das Volk versehen. Der Abschied ist fast immer gleich: „Es ist ein Missverständnis“, sagen sie ihrer Olga, ihrem Jurij und den verschreckten Kindern, „es wird sich aufklären.“ Aber in unzähligen Fällen klärte sich nie etwas auf. Mindestens zwölf Millionen Menschen kamen Schätzungen zufolge im sowjetischen Gulag ums Leben.
Der Überfall der deutschen Wehrmacht am 22. Juni 1941 ist ein willkommener Vorwand, den inneren Terror noch einmal zu verstärken. „Spione“ aller Art verschwinden in Gefängnissen und Lagern. Am 28. Juni erwischt es auch „Genosse Angela Rohr“, seit 16 Jahren in der Hauptstadt ansässig: Verhaftung und Überstellung in die Lubjanka, damals wie heute die Zentrale des Geheimdienstes, und dann erst mal in einen Zug, mit Hunderten, die das gleiche Schicksal erleiden. Verurteilung zu fünf Jahren Haft, Lager in Sibirien und schließlich Entlassung als „ewig Verbannte“. Das kleine Schreiben Brechts hat leider nicht geholfen.
Doch es führte die Germanistin Gesine Bey 64 Jahre später auf eine richtige Spur. „Ich wusste nicht, was sich alles hinter dem einen Namen verbarg“, schreibt sie in ihrem Nachwort zu der Textsammlung, die jetzt erschienen ist und ebendas bedeutet, was so oft behauptet wird und so selten ist: eine literarische Sensation(*1).
Der Name Rohr gehört in jenes Firmament von Schrecken und Schönheit, dessen Fixsterne Franz Kafka und Primo Levi, Jorge Semprún und Warlam Schalamow heißen. Angela Rohrs Stern ist kleiner, weil ihr Werk so viel schmaler ist. Aber er leuchtet in der gleichen hellen Unerbittlichkeit.
Bey, 57, war 2005 nach Moskau gereist, um den Brief Brechts, der in Fedins Nachlass lag, unter die philologische Lupe zu nehmen; unversehrt nach all der Zeit. Erst nach und nach fand sie heraus, dass die Ärztin, die Brecht kurierte, identisch war mit der Expressionistin Angela Hubermann, Autorin der Berliner Zeitschrift „Die Aktion“, mit der Dadaistin Angela Guttmann, mit der Feuilletonistin Angela Ror der „Frankfurter Zeitung“, schließlich mit jener Helene Golnipa, von der 1989 postum der autobiografische Roman „Im Angesicht der Todesengel Stalins“ in Österreich erschienen war.
Acht Namen trug diese Frau insgesamt: Ehenamen, Künstlernamen, literarische Pseudonyme. Mindestens ebenso viele Leben hat sie gelebt: als Dichterin und Reporterin, als Ärztin und als Studentin der Psychoanalyse, als Häftling und als „ewig Verbannte“, als medizinische Forscherin und schließlich als Sekretärin ihres Lebens, dessen postume Erforschung einer detektivischen Suche gleichkam.
Geboren im mährischen Znaim am 5. Februar 1890, gestorben am 7. April 1985 in Moskau. Drei Ehen, davon vermutlich eine Scheinheirat. Wohnsitze – wenn man die Pritschen dazu zählen will – in Wien, Triest und Paris, in Genf, Zürich, Locarno, Berlin, in Moskau, im Gefängnis von Saratow an der Wolga, in den Lagern Nischni Tagil und Tawda. Schließlich wieder in Moskau, die letzten 24 Jahre in einer Gemeinschaftswohnung am Gogol-Boulevard. Vertraute Rilkes, Schülerin des Psychoanalytikers Karl Abraham, Freundin der Liebknecht-Witwe Sophie. Eine intellektuelle Pionierin wie Lou Andreas-Salomé, eine Bohemienne wie Fanny Gräfin zu Reventlow und eine Chronistin des Gulag. Ein Jahrhundertleben und ein Jahrhundertwerk.
„Es war zu Anfang des letzten Krieges, als eine hohe Behörde aus unerfindlichen Gründen beschloss, die Menschen jeder möglichen Tätigkeit zu entziehen, sie stillzulegen. Sie konnte aber dieses, gewiss zu ihrem Bedauern, nicht ganz ausführen, denn die Gefängnisse reichten dazu nicht aus. Was sie aber tat, das war immerhin ein Versuch dieser Art, der uns dann, die wir etwas damit zu tun hatten, die wir einbezogen waren in diesen Plan, zu ganz ungeahnten Erlebnissen und einfach allzu oft zum Tode führte.“
So beginnt die Erzählung „Der Vogel“, in der Rohr auf 37 Seiten den Auftakt zu ihrer Lagerzeit beschreibt: bürokratisch kühl. In Satzlabyrinthen, die das Verwirrende und Undurchschaubare des Systems und dessen Zurückweisung jeder menschlichen Regung offenbaren wie eine sprachliche Notwehr. Für eine Autorin, die als Expressionistin angefangen hat, scheint das ein weiter Weg. Doch schon in ihren ersten Publikationen, so zeigt es die Sammlung Beys, bändigte Rohr jeden Überschwang, der aus den einzelnen Worten kommt, mit elliptischer Härte. „Geheimnisse, wie große Katzen, laufen geduckt und leicht durch die Menschen.“ So hieß es, 1914, in Paris. Jetzt, 1941, laufen die Geheimnisse um die Menschen herum.
Die Gefängnisse sind überfüllt, sie geben lediglich Durchgangsstationen ab für die Kolonnen von „Volksfeinden“ und „Verrätern“, die seit den zwanziger Jahren, so hat es die hohe Behörde beschlossen, dort zu arbeiten haben. Ihre „Stilllegung“ gilt nur für die sowjetische Gesellschaft, aus der sie so lautlos wie möglich entfernt worden sind. „Tätigkeit“ gibt es im Lager genug: mit Schaufel und Spaten, beim Holzfällen im Wald und in den Gruben, aus denen Erz und Kohle gefördert wird. Bevor es aber dazu kommt, hat die hohe Behörde die Farce einer juristischen Behandlung verordnet, also: das Untersuchungsgefängnis.
Hier sitzen die Frauen und warten. „Wir hörten Bombeneinschläge, besonders in der Nacht, es war der erste Kriegsmonat. Merkwürdigerweise nahmen die Frauen dieses nicht weiter übel, sie hörten nur nachlässig darauf hin. Sie weinten aber stundenlang, ich möchte sagen ,privat', und verwendeten ebenso viel Zeit, einander ihre Schicksale zu erzählen, die immer nur einen Ausklang hatten, nämlich: dass sie unschuldig seien.“
Unschuldig ist auch Angela Rohr. Doch diese Unschuld beschäftigt sie nicht, denn schneller als andere hat sie gelernt, dass, einmal im Gulag gefangen, nur noch die Gegenwart zählt. Für Vorgeschichte, für Hoffnung und Erinnerung ist kein Platz in diesem nackten Leben, dem alles entzogen ist, sogar der Sinn für die Zeit.
Wichtig ist allein das Überstehen des allernächsten Augenblicks. Nach der Vergangenheit fragt nur der vernehmende Mann in Uniform, und der gibt unlösbare Rätsel auf. „Waren wir früher alle Spione gewesen, so hatte man uns schon längst zu Landesverrätern erhöht, obwohl ich den Unterschied zu diesen nie recht begreifen konnte. Sie, die Landesverräter, wurden hier in zwei Gruppen eingeteilt, in solche, die dieses Gewerbe schon vor dem Krieg betrieben haben sollten, und die anderen, die erst zu seinem Anfang damit begonnen hatten. Die zweite Gruppe war in einer recht schwierigen Lage, da sie bereits zu Beginn des Krieges verhaftet worden war und nun nicht wusste, wo sie die Zeit zu ihrem Verbrechen hernehmen sollte.“
Stolz, Ironie und Selbstmitleidlosigkeit müssen Angela Rohr befähigt haben, das Gefängnisjahr zu überstehen. Sie schreibt von der Kasernierung in dunklen Zellen, zu eng, um die Glieder zu strecken; sie schreibt von der immerwährenden Kälte und von dem Gestank, den zusammengepferchte Frauen, durchfallkrank und von Läusen und Milben besiedelt, mit jeder Pore ausdünsten und mit jedem Atemzug inhalieren. Sie schreibt vom Hunger und davon, was er bewirkt, immer mit großer Genauigkeit und doch als Erfahrungsdestillation: Literatur. „Es ist nicht leicht zu verstehen, wie sich die Menschen dazu verhalten. Es gab da gefühlsmäßig Hungernde, die jede und auch die geringste Zeit damit ausfüllten, ihn zu empfinden. Das waren die Gefährdeten, die dann auch daran zugrunde gingen. Andere aber hatten die Kraft, die Gedanken von dem Hunger abzuwenden, sie trugen ihn wie eine Krankheit, mit der man sich einigen muss, derer man endlich Herr werden kann.“
Die Gefährdeten, wenn sie denn reden, sprechen am liebsten vom Essen. Eine Zellennachbarin „lebte nur in der Erinnerung an eine Nusstorte“. Immer wieder will sie von der Erzählerin wissen, welche Zutaten man wohl braucht. Die denkt sich aus, was ihr plausibel erscheint, denn sie selbst hat zwar schon Nusstorte gegessen, sie aber nie selber hergestellt. „Dieses meiner Nachbarin anzuvertrauen wäre ganz sinnlos gewesen, sie hätte es mir nicht geglaubt. Ich zählte ihr deshalb alle Dinge auf, die man vermutlich dazu verwenden konnte. Manchmal schwieg sie dann eine lange Zeit, es kam aber auch vor, dass sie mich unmittelbar danach fragen konnte: ,Entschuldigen Sie, wie viel Eier haben Sie genommen?' Ja, besonders die Eier hatten es ihr angetan.“
Die Szene, in der eine Wärterin ein faustgroßes Stück Zucker auf den Tisch in der Gemeinschaftszelle der Ausgehungerten legt, gehört zum Entsetzlichsten, was jemals beschrieben worden ist. Wie teilt man einen steinharten Klumpen, wenn es kein Messer gibt, kein Holzscheit und keinen Ziegel? Eine Gefangene bietet sich an mit ihrem noch tadellosen Gebiss; sie kann den Klumpen zerteilen. Aber schon dabei, das ist den Umstehenden klar, nimmt sie über den Speichel Genuss und Kalorien auf, selbst wenn sie, wie es dann geschieht, sofort wieder ausspuckt, was sie zerbissen hat. Und doch hält die unfreiwillige Gemeinschaft von Gläubigen und Atheistinnen, von Analphabeten und Gebildeten, von „Politischen“ und Kriminellen, eine strenge, abwartende Disziplin, bis eine „unbekannte, namenlose Hand“ ein paar Krümel vom Tischbrett klaubt. „Ohne Zeitverlust begann danach ein Angriff fast aller auf alle.“
Bis die Soldaten kommen und mit Verachtung für das sorgen, was die Behörde Ruhe nennt. Nicht der Hunger, aber die archaische Reaktion einer Verhungernden hat für den Zusammenbruch der provisorischen Zivilisation gesorgt.
Angela Rohr überlebte das Lager mit dem ethnologischen Blick, den sie schon lange eingeübt hatte – als Künstlerin und als Medizinerin.
Da sie, um dem familiären Regime in Wien zu entkommen, als 18-Jährige durchgebrannt war, fehlte ihr die Matura und damit die Möglichkeit zum regulären Studium. Trotzdem besuchte sie in Paris, um 1914, medizinische Vorlesungen und schmuggelte sich in den Anatomiesaal. Als sie ab 1920 in Berlin am Psychoanalytischen Institut studierte, gab sie sich als promovierte Ärztin aus.
Ihre Begabung fiel auf. Als sie an Lungentuberkulose erkrankte, schlug Abraham, Leiter des Instituts, Sigmund Freud eine Kur für die Patientin auf Kosten der Psychoanalytischen Gesellschaft vor: „Durch rasches Eingreifen können wir der Psychoanalyse eine wirklich wertvolle Arbeitskraft sichern, ganz abgesehen von der humanen Seite der Sache.“ Freud stimmte zu, und so absolvierte sie eine Liegekur, die offenbar erfolgreich war: Der österreichische Diplomat Hans Marte, der die vitale 87-Jährige Ende der siebziger Jahre in Moskau besuchte, sprach von dem „stets gefüllten Aschenbecher“ auf ihrem Tisch.
Am Institut in Berlin lernte Angela Hubermann ihren dritten Mann kennen, Wilhelm Rohr. Er war Mitglied der KPD und gehörte zu den Intellektuellen, die das große Experiment einer egalitären Gesellschaft aktiv unterstützen wollten. Mitte der zwanziger Jahre übersiedelte er nach Moskau und holte Angela nach. Während sie biologisch forschte und für deutsche Zeitungen Feuilletons und Reportagen schrieb, loyal, aber nicht propagandistisch, arbeitete er an der historisch-kritischen Marx-Engels-Ausgabe und später als Fotograf.
Die Rohrs wurden kurz nacheinander verhaftet. Mitte der dreißiger Jahre war Angela Rohr schon einmal durch eine Denunziation bedroht; damals setzte Johannes R. Becher sich noch erfolgreich für sie ein. Nun konnte selbst Brecht nicht mehr helfen.
Wilhelm Rohr starb vermutlich 1942 im Gefängnis Saratow, wo auch sie inhaftiert war. „Unser Stockwerk hatte nur ein Klosett, das abwechselnd von Männern und Frauen benutzt wurde und das deshalb ein Ort war, an dem wir hoffen konnten, etwas von Mitgefangenen, Angehörigen zu erfahren.“ Vielleicht ist ihr selbst passiert, was sie beschreibt, „eine Frau fand den Namen ihres Mannes an der Wand“.
Sie überlebte das Lager, weil sie, eine brauchbare „Spezialistin“, dem Arbeitsdienst enthoben war. Sie kutschierte als Taiga-Ärztin durch die Nacht, auf dem Weg zu einer Entbindung, als sie hinter sich Wölfe hörte. „Es war entsetzlich und komisch zugleich, dass ich gerade jetzt der ,höchsten Behörde', vielleicht aber nur der Person, die sie darstellte, gedachte, die so enge Beziehungen zu den Wölfen haben musste, dass sie ihre Opfer ihnen zum Fraße vorwarf.“
Als sie wieder nach Moskau kam, war sie 67 Jahre alt, „rehabilitiert“ und mit einer kleinen Rente versehen. Sie traf ihre Freundinnen Sophie Liebknecht und Selma Ruoff wieder, Letztere eine Gulag-Überlebende wie sie. „Alle drei“, so Bey, „waren sie ältere Frauen, die unauffällig durch die Straßen Moskaus und Leningrads liefen, aber untereinander kein Blatt vor den Mund nahmen, weil sie wussten.“ In der Gesellschaft des Schweigens oder der „Flüsterer“, wie der britische Historiker Orlando Figes diese sowjetische Epoche charakterisiert, begann Rohr wieder zu schreiben.
„Diese Prosa“, hatte Rilke von ihren frühen Texten geschwärmt, sei „von der größten, ja, für eine Frau, großartigsten Bedeutung“. Dass aber, was sie nun zu formulieren begann, in der Sowjetunion unerwünscht war, lag auf der Hand. Verglichen mit ihren Erzählungen nimmt sich „Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“, Solschenizyns 1962 erschienener bahnbrechender Gulag-Roman, wie eine Jugendherbergskoje neben einem Nagelbrett aus. Noch einmal schrieb sie an Fedin, inzwischen Vorsitzender des sowjetischen Schriftstellerverbands. Er schickte Texte an die Kollegen in Ost-Berlin. Ein großer hellbrauner Briefumschlag mit Erzählungen von Rohr fand sich in seinem Nachlass. Diagonal war darauf geschrieben: „Antwort aus der DDR. Druck abgelehnt.“
Das war nur vorerst das letzte Wort. Mit dieser Sammlung von Texten gehört Angela Rohr endgültig zu den Autoren, die das 20. Jahrhundert, „dies Wolfshund-Jahrhundert“, wie Ossip Mandelstam es nannte, den Schafen erzählen. Den nicht geschorenen, nicht geschlachteten Schafen.
(*1) Angela Rohr: „Der Vogel. Gesammelte Erzählungen und Reportagen“. Herausgegeben von Gesine Bey. BasisDruck Verlag, Berlin; 304 Seiten; 18 Euro
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