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SIEWERT, ROBERT * 10.12.1887, † 2.11.1973

2 Nov

Jugend, Krieg und frühe Weimarer Zeit[Bearbeiten]

Siewert war Sohn eines Zimmermanns und wurde Maurer. Nach seiner Lehre ging er auf Wanderschaft und wurde 1906 Mitglied derSPD. 1908 bis 1915 arbeitete er als Maurer in der Schweiz und lernte dort Lenin und Heinrich Brandler kennen.
Im Ersten Weltkrieg war Siewert als Soldat an der Ostfront und betätigte sich dort illegal für den Spartakusbund. 1918 gehörte demSoldatenrat der X. Armee an und wurde danach Mitglied der KPD.
1919 wurde Siewert Polleiter im Bezirk Erzgebirge, war 1919 und 1920 Parteitagsdelegierter und schließlich Schriftführer auf dem Vereinigungsparteitag mit der USPD. Auf den KPD-Parteitagen 1921 und 1923 wird er in den Zentralausschuss gewählt. 1922 ist er Delegierter beim IV. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (KI). 1922 tritt er in die Leitung der Parteiverlage ein. 1923 wird er Polleiter in Chemnitz.
Siewerts politischer Standort war zwischen den „Brandleristen“ und der „Mittelgruppe / Versöhnler“ angesiedelt, was zur Folge hatte, dass er 1924 seiner Parteifunktionen enthoben und nach Berlin gesandt wurde, wo er zunächst nur noch unbedeutende Funktionen ausüben durfte. Zusammen mit Hans Beck organisierte er ab 1926 die Arbeiterdelegation in die Sowjetunion. Später arbeitete er als Redakteur der Einheit, einer sich an linke Sozialdemokraten richtenden Zeitschrift. 1926 wurde Siewert in den Sächsischen Landtaggewählt, welchem er bis 1929 angehörte.

Gegen die Stalinisierung der KPD[Bearbeiten]

Robert Siewert (Briefmarke der DDR, 1987)

Gedenktafel für Siewert an einem Haus im Römerweg nahe Treskowallee

Weil er in seiner Parteitätigkeit die Position der „Brandleristen“ vertrat, wurde er Ende 1928, im Zuge der „Stalinisierung“ der KPD, seiner Funktionen enthoben und am 14. Januar 1929 aus der KPD ausgeschlossen.

Robert Siewert wurde aktiver Funktionär der KPO und Mitglied der Bezirksleitung Westsachsens und behielt sein Landtagsmandat als Mitglied einer fünfköpfigen KPO-Fraktion im Sächsischen Landtag. Von 1931 bis 1933 arbeitete er als Verlagsleiter der Tageszeitung Arbeiterpolitik zuerst in Leipzig, dann in Berlin.
Von 1933 bis zu seiner Verhaftung Ende 1934 gehörte er gemeinsam mit Erich Hausenund Fritz Wiest zur ersten illegalen Reichsleitung der KPO.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Von den Nationalsozialisten wurde er unter dem Vorwurf des Hochverrats vomVolksgerichtshof zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt und war ab 1935 für die gesamte Strafdauer in Luckau inhaftiert. Anschließend wurde er in das KZ Buchenwald überstellt. Dort näherte Siewert sich politisch wieder der KPD an. Er wurde an führender Stelle in der illegalen Einheitsorganisation des Lagers, die aus Kommunisten und Sozialisten bestand, tätig; vielfach setzte sich Siewert für jüdische Mithäftlinge und im Lager gefangen gehaltene Kinder ein und organisierte für polnische und jüdische Jugendliche einen Maurerlehrkurs. In Buchenwald war Siewert Kapo beim Baukommando I.
Nachdem er Ende August 1944 auf einer von Willi Bleicher organisierten illegalen Gedenkfeier für den kurz zuvor ermordeten Ernst Thälmann eine Rede gehalten hatte, war er zusätzlichen Repressalien ausgesetzt.
Dort wurde er kurz vor der beabsichtigten Erschießung 1945 von den Amerikanern befreit. Siewert trat wieder der KPD bei, wurde 1. Vizepräsident der Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt, dann Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt. Er war Mitglied der KPD-BL bzw. des SED-Landesvorstands und ab 1949 im sogenannten Kleinen Sekretariat der Landesleitung Sachsen-Anhalt. Wegen seiner früheren KPO-Zugehörigkeit wurde er im April 1950 degradiert, nur noch Leiter des Sekretariats für örtliche Wirtschaft im Ministerium für Aufbau (Bauwesen). Nun verlor er in der SED jeden politischen Einfluß, wurde erst im Rahmen der »Entstalinisierung« wieder genannt, blieb bis 1967 im Ministerium für Bauwesen.

Repressionen gegen ehemalige KPO-Mitglieder[Bearbeiten]

Seit 1950 folgten Kampagnen gegen ehemalige KPO-Mitglieder. Gegen Siewert und andere wurden Repressionsmaßnahmen eingeleitet: Siewert wurde abgesetzt und in das Ministerium für Bauwesen versetzt. Er musste einen „selbstkritischen“ Artikel imNeuen Deutschland verfassen, der auch am 25. Januar 1950 erschien, jedoch am 15. März als ungenügend bezeichnet wurde. Deshalb hatte er einen neuen Artikel mit größerer Selbstkritik abzuliefern. Seitens der Parteikontrollkommission (ZPKK) wurde Wert auf die Feststellung gelegt, dass die KPO nicht eine Agentur des Finanzkapitals geworden sei, sondern dies bereits von Anfang an gewesen sei.
Siewert starb am 2. November 1973 und wurde in der Grabanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten auf demZentralfriedhof Friedrichsfelde bestattet. In einem offiziellen Nachruf seitens der SED wurde er als „engster Kampfgefährte Ernst Thälmanns bezeichnet. In drei offiziellen Gedenkbroschüren fehlte jede Andeutung über die führende Mitarbeit in der KPO.
Quellen:wikipedia und Handbuch deutsche Kommunisten
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